Vorfreude auf Weltmeisterschaft
11.02.2012 - GUNTERSBLUM
Von Christopher Mühleck
KICKBOXEN Stefanie Schwarz aus Guntersblum ist echtes Ausnahmetalent / Fünf mal die Woche Training
Weiblich, ledig, jung sucht: immer wieder neue Herausforderungen. Allerdings kein Ballett, kein Turnen oder Rhythmische Sportgymnastik, sondern für Kickboxen hat sich die 16-jährige Stefanie Schwarz entschieden. Die Allgemeine Zeitung sprach mit dem blonden, quirligen Wirbelwind, der in der heimischen Kampfsportschule die nächste EM und die WM 2013 fest ins verschmitzt lächelnde Auge gefasst hat.
Klirrend kalt ist es in den Abendstunden und Schnee pflastert den Weg zur Kampfsportschule Kandemir, als Stefanie Schwarz, dick eingemummelt im Vorraum der Trainingshalle wartet und grinst. Dazu hat das Ausnahmetalent, das gerade vom Leistungszentrum in Mannheim wieder nach Hause gekommen ist, auch allen Grund. Schließlich ist sie für die Europameisterschaft im November 2012 im rumänischen Bukarest fest gesetzt und die Weltmeisterschaft 2013 wirft ihre Schatten bereits voraus.
Kaderlehrgang fällt auf Fastnachtssamstag
„Es macht mir Riesenspaß. Das Training, die Wettkämpfe und natürlich die Vorbereitung auf die WM, die ich im letzten Jahr wegen eines gebrochenen Arms sausen lassen musste“, sprüht die Schülerin der Carl-Zuckmayer-Realschule Nierstein, die aufgrund ihres Alters eine Sondergenehmigung für die WM-Teilnahme erhielt, förmlich vor Elan.
Dass der Kaderlehrgang für die Nationalmannschaft genau auf den Fastnachtssamstag fällt, schmerzt da zwar ein wenig, aber an Disziplin ist die sympathische junge Dame bereits gewöhnt. „Disziplin ist schließlich hier das A und O. Ebenso die Eigenmotivation, da Stefanie auch oft ohne mich trainieren muss. Aber da mache ich mir bei ihr keine Sorgen“, weiß Trainer Oktay Kandemir, der selbst seit knapp 25 Jahren auf der Matte steht, um die Stärken seines Schützlings, für den die Schule natürlich immer vorgeht.
Angefangen hatte alles mit der großen Schwester Tatjana, die, selbst ein Schwarzgurt aus dem Hause Kandemir, die kleine Schwester mit dem Kickbox-Virus bereits im Kindesalter angesteckt hat. Seitdem hat Stefanie rasant dazugelernt.
„Sie war im Semi-Kontakt, Leicht-Kontakt und in den Musikformen aktiv. Das wurde irgendwann zuviel und wir haben uns voll auf die Musikformen konzentriert, wo es viel auf Beweglichkeit, die Abläufe und die Ästhetik ankommt. Da haben die Frauen klar die Nase vorn und Stefanie hat unglaubliches Potenzial“, weiß Trainer Kandemir, der Stefanie auch die Möglichkeit zum erweiterten Training im Mannheimer Leistungszentrum verschaffte.
„Stolz“, sind die Mama und die große Schwester auf sie. „Manchmal ist es schwierig, sie zu motivieren. Aber ich sage ihr dann, dass sie nicht hingehen braucht und schon ist die Motivation da“, lacht Mama Heike, hinter der im Hintergrund Fotos und Presseartikel des kleinen, aber flinken Nachwuchs-Bruce Lee prangen. Schließlich sei so ein Wettkampf ein echtes Happening, weiß Heike Schwarz, die mit Tatjana das Töchterchen immer unterstützt.
Ob die WM vorerst das größte Ziel ist? „Ja und nein. Nach der WM geht’s erst richtig los. Dann winken nämlich auch die Reisen durch die Welt. Letztes Jahr waren wir in Dublin und die WM findet in Brasilien statt“, freut sich Oktay Kandemir mit Stefanie, die er als echtes Ausnahmetalent bezeichnet, das man nur alle zehn Jahre trifft.
Bodenheimer Arzt als Sponsor und Beistand
In Sachen Verletzungen ist die junge Kämpfernatur bisher verschont geblieben. „Es gab da mal ne Ellbogenprellung, aber ich habe durch Herrn Dr. Korner in Bodenheim nicht nur einen großartigen persönlichen Sponsor, sondern auch ideale ärztliche Betreuung“, weiß die Schülerin, die eine Ausbildung im Groß- und Außenhandel angepeilt hat, um die Früchte ihres Erfolgs.
Und die Freunde? „Ja, das ist so ein Thema. Das Training nimmt schon viel Zeit in Anspruch - immerhin fünf Mal die Woche jeweils bis zu 90 Minuten. Da bleibt nicht viel Zeit. Aber wenn ich mal ein Foto auf Facebook oder ein Video auf Youtube hochlade, dann staunen die Freunde schon und beglückwünschen mich“, freut sich die Akrobatin über die positive Resonanz im Freundeskreis.

