Vier Eimsheimer Vereine kümmern sich in Eigenregie um Bewirtschaftung von Rathausclub
09.02.2012 - EIMSHEIM
Von Beate Nietzel
RATHAUSCLUB Vier Eimsheimer Vereine kümmern sich im Wechsel um Bewirtschaftung
Heimelig flackern die bunten Windlichter auf den langen Holztischen, dazwischen zwirbeln sich Luftschlangen. „Wir dekorieren immer nach Jahreszeit“, sagt Anne Frede-Pötzsch und setzt gemeinsam mit Karin Frommann schon mal einen Topf mit Rotwein auf die heiße Herdplatte. Ein Gläschen davon weiß auch Conny Pfeifer zu schätzen. Sie ist die erste Besucherin an diesem klirrend kalten Abend, und ihre Begleiterin mit der kalten Nase gar der erste vierbeinige Gast überhaupt in jenem Etablissement, das sich seit vergangenem Spätsommer rasch zum lebhaft frequentierten Eimsheimer Dorftreff gemausert hat. Von Uelversheim herüber hat Conny Pfeifer einen strammen Hundemarsch mit Nala gemacht, ihrer Ridgeback-Mix-Hündin.
Nach Schließung der Alten Post Alternative gesucht
Gerade kommt Philipp Rüger herein, einen Sechser-Tragekorb mit Wasser und Wein in der Hand. Er ist stellvertretender Wehrführer der Eimsheimer Feuerwehr, der auch der örtliche Musikzug angeschlossen ist. Und dieser trifft sich donnerstags nach der Probe in eben jenem Rathausclub. Dort sind übrigens alle potenziellen Besucher willkommen - hat doch die Gaststätte „Zur Alten Post“ zum Jahreswechsel 2010/2011 für immer die Kneipentür geschlossen.
Freitags wiederum hält der Gesangverein seine Übungsstunde ab - und danach kehren etliche der Sängerinnen und Sänger zum Plausch ins frühere Feuerwehrgerätehaus ein. Dieses war im Zuge der Rathaussanierung vor rund sechs Jahren hergerichtet worden und verströmt nun, rustikal gefliest und geweißt, einen urigen Charme, zu dem auch die alten Kirchenbänke gehörig beitragen. „Die wurden von Mitgliedern unserer Vereine selbst aufgemöbelt“, unterstreicht Anne Frede-Pötzsch, dass viel Initiative hinter dem Rathausclub steckt. Ob Feuerwehr mit Musikzug, Gesangverein, Landfrauen sowie Turn- und Sportverein - diese vier Eimsheimer Vereine kümmern sich jeweils vier Wochen lang im Wechsel um die Bewirtschaftung des Rathausclubs. Immer zwei Leute sind im Einsatz, um die Getränke - Nichtalkoholisches, Flaschenbier und Wein - sowie die kleinen, abgepackten Snacks zu servieren. „Geputzt werden muss auch jedesmal“, ergänzt Anne Frede-Pötzsch mit Blick auf Toilette, Küche und den vor allem an matschigen Herbst- und Wintertagen dreckigen Boden.
Ein Engagement aber, das sich lohnt. „Das Dorfleben wird lebendiger, und außerdem tun die Vereine auch etwas für ihre Kasse“, nennt Karin Frommann die unbestreitbaren Vorzüge des Rathausclubs und überprüft die gut sortierten Vorräte an Geschirr, Gläsern und bunten Servietten. Überdies sorgen ein Elektro-Dart, Gesellschaftsspiele und Musikanlage für Unterhaltung.
Betrieb ist oft bis Mitternacht. Man rückt zusammen, niemand muss mehr Auto fahren und kann sich ein Piffchen mehr gönnen. „Bei guter Stimmung wurde hier auch schon bis zwei Uhr morgens gesessen“, setzen die Damen Frommann und Frede-Pötzsch hinzu. Apropos Damen: „Vor allem Frauen kommen eher hierher als früher in die Kneipe“, beschreiben die beiden die Atmosphäre im Rathausclub. Davon unbeeindruckt aber stellten sich am frühen Abend oft auch die älteren Herren ein, die ehedem die Stammtischbesatzung in der „Alten Post“ bildeten.
Den sozialen Aspekt des Ganzen schätzt auch Hans-Joachim Eller. „Wir haben den Rathausclub per Postwurfsendung bei den Einwohnern bekannt gemacht“, blickt der Eimsheimer Ortsbürgermeister zurück. Die Bezeichnung Club übrigens habe man aus konzessionsrechtlichen Gründen gewählt, da die Auflagen des Gaststättengesetzes zu hoch seien.

