Montag, 13. Februar 2012 06:08 Uhr
URL: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/oppenheim-nierstein-guntersblum/7845409.htm

Allgemeine Zeitung

 

"Stundenlang auf Einsatz gewartet"

11.11.2009 - NIERSTEIN-OPPENHEIM

Von Helena Sender-Petry

HOCHWASSERSCHUTZÜBUNG Thomas Günther übt Kritik an Einsatzleitung in Dalheim

VG NIERSTEIN-OPPENHEIM. "Grundsätzlich" bewertet der Niersteiner Ortsbürgermeister Thomas Günther die erste, groß angelegte Hochwasserschutzübung der VG Nierstein-Oppenheim positiv (die AZ berichtete mehrfach). Und er versichert, dass alle Einsatzkräfte "gute Arbeit geleistet haben". Auch deshalb werde die CDU im VG-Rat beantragen, einen "Dankeschön-Abend" für alle Beteiligten zu organisieren. Günthers Kritik am Ablauf der Übung zielt in eine andere Richtung: "Das Problem war die Einsatzleitung in Dalheim. Ich konnte beobachten, dass beispielsweise Feuerwehren und andere Hilfskräfte stundenlang auf ihren Einsatz warten mussten."

Günther weiß auch, warum: "Der Funk hat nicht funktioniert. In der Dexheimer Kaserne wurden die Leute, die seit 7.30 Uhr vor Ort waren, zwischen 10.30 und 12 Uhr erstmals abgerufen. Das drückt doch auf die Motivation", ist der Niersteiner Ortsbürgermeister überzeugt. Er kann zudem nicht nachvollziehen, warum keine Melder eingesetzt wurden, denn: "Wenn man nach 30 Minuten merkt, dass die Technik versagt, muss reagiert und nach Alternativen gesucht werden." Auch konnte Günther, der mit anderen Ortsbürgermeistern an diesem Samstag unterwegs war, beobachten, dass Funker bis zu 50 Zettel vorliegen hatten. "Es waren keine Prioritäten erkennbar, keiner der Zettel war in diesem Sinn gekennzeichnet", kritisiert er.

Auch Mitarbeiter des Niersteiner Bauhofs hätten bis nach 11 Uhr untätig in Dexheim gewartet. Erst gegen 12 Uhr sei der Lastwagen mit dem Material eingetroffen, um den "Verschluss dicht zu machen". Laut Günther sind Sandsäcke nicht an ihr Ziel gelangt.

Dass es womöglich zu wenige Lastwagen gab, um den Transport sicher zu stellen, will Günther nicht gelten lassen: "Ein THW-Laster kam gar nicht zum Einsatz." Der Niersteiner Ortsbürgermeister räumt ein, dass eine Übung dazu da ist, "Schwachstellen aufzuspüren und daraus zu lernen". Nichtsdestotrotz ist er der Meinung, dass die Übung überdimensioniert und von der Einsatzleitung in Dalheim schlecht koordiniert gewesen sei. "Es wäre sinnvoller gewesen, wenn die einzelnen Gemeinden den Notfall für sich geübt hätten. Ich habe die Verantwortung für Nierstein, und im Notfall werden wir einen Alleingang machen, um eine Überflutung zu verhindern."

VG-Chef und Feuerwehrdezernent Klaus Penzer reagierte gestern gelassen auf Günthers Kritik: "Eine Übung ist dazu da, Schwachstellen aufzudecken. Hier wurde auf unterschiedlichsten Ebenen agiert, die Einsätze waren facettenreich, und es ist selbstverständlich, dass nun eine Analyse folgt", stellt er klar. Alle Abschnittsleiter hätten das Geschehen protokolliert, "nun werden die Fakten gesammelt, von der Einsatzleitung ausgewertet und selbstverständlich diskutiert". Erst dann werde er an die Öffentlichkeit treten und ein abschließendes Fazit der ersten Großübung in der VG ziehen.


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