Schüler werden Schutzengel - Oppenheimer Gymnasiasten lernen Reanimation
18.12.2010 - OPPENHEIM
Von Bergund Hilgers
„Mini-Anne“ besteht nur aus Kopf und Rumpf, sie ist aufblasbar und hilft, Lebensretter auszubilden. Etwa 100 Sechstklässler des Gymnasiums zu St. Katharinen nahmen an einem Wiederbelebungstraining teil, das von Ralf Huth, dem Vorsitzenden der „Interessengemeinschaft für Kinder der Intensivstation und Kinder-Kardiologie Mainz“ (Kikam) und seinem Team in Zusammenarbeit mit der Allgemeinen Zeitung und der Schule veranstaltet wurde. „Kikam möchte damit Danke sagen für die Spenden, die über die AZ-Aktion Leser helfen den Kindern der Intensivstation zugute komme“, sagte Ralf Huth.
„Täglich sterben in unserem Land mehr als zehn Menschen an Herzversagen, und es kann jeden treffen“, berichtete der Oberarzt den Schülern. „Nur durch gute Laien-Wiederbelebungsmaßnahmen kann es gelingen, mehr Menschen vor dem Herztod zu bewahren“, ergänzte Ralf Huth. Jeder Schüler erhielt zunächst sein eigenes Übungsset, in dem neben einer DVD, einem Merkblatt zum richtigen Verhalten bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung und einer Handy-Attrappe vor allem eine aufblasbare Trainingspuppe, „Mini-Anne“, enthalten waren.
Mit Unterstützung eines Lehrfilms erlernten die Kinder Schritt für Schritt die einzelnen Handgriffe, die bei einer Herz-Lungen-Wiederbelebung anzuwenden sind. Erst einmal musste allerdings die Puppe aufgeblasen werden. Dann wurde die Herzdruckmassage geübt, 30 Mal in Folge sollten die Kinder mit ausgestreckten Armen und ineinander verhakten Fingern ihre Handballen in die Brustmitte der Puppe drücken – bei genügend Druck ertönt ein „Klick“.
Mund-zu-Mund-Beatmung
Auch die Mund-zu-Mund-Beatmung wurde auf dem Video erklärt. Für die Beatmung müssen die Atemwege frei sein, der Kopf nach hinten gebogen, das Kinn angehoben, die Nasenlöcher mit den Fingern zugehalten. „Immer langsam beatmen“, hieß der Arbeitsauftrag, bevor es an die Kombination von Herzdruckmassage und Beatmung im Wechsel ging: 30 Kompressionen, zwei Beatmungen, 30 Kompressionen, zwei Beatmungen, „im Ernstfall so lange, bis der Rettungsdienst kommt“, lautete die Erklärung im Video.
Allerdings sind Beatmung und Herzmassage nur ein Teil der gesamten Lebensrettungsmaßnahmen, den Notruf zu alarmieren gehört ebenfalls dazu, und deshalb wurde das Kartonhandy gezückt und die 112 gewählt. Zudem erläutert der Film die für eine stabile Seitenlage notwendigen Handgriffe.
Die Kinder konnten „ihre“ Puppe samt Lern-DVD mit nach Hause nehmen, um ihr Wissen über die Herz-Lungen-Wiederbelebung an Eltern, Freunde und Verwandte weiter zu vermitteln und so möglichst viele Personen fit zu machen für den Notfall.
Multiplikator-Effekt
„Aus Erfahrungen mit dem Übungsset im Ausland, vor allem in Norwegen und Dänemark, ist bekannt, dass neben den Schulungsteilnehmern nach der Schulung zwei bis drei weitere Personen aus dem Umfeld des Teilnehmers mit dem Modell üben und somit ein Multiplikator-Effekt eintritt“, erhofft sich Ralf Huth. Er ermutigte die Kinder, im Notfall nicht auf die Profis zu warten, sondern die Initiative zu ergreifen und lud die Kinder zu einem Besuch auf der Kinderintensivstation in Mainz ein.
Ganz besonders berührte es Huth, dass ein Schüler sich daran erinnerte, dass seine Schwester dank Huths Team auf der Kinder-Intensivstation der Mainzer Uniklinik überlebte. Das Mädchen hatte auf dem Oppenheimer Sportplatz einen Herzstillstand erlitten und war nach 20-minütiger Reanimation vor Ort in die Uniklinik gekommen. Hier erlitt sie einen zweiten Herzstillstand. Diesmal dauerte es dreieinhalb Stunden lang, bis sie wieder stabilisiert war. Dementsprechend freute sich Huth zu hören, dass es ihr gut geht.

