Gegen Missbrauch von Macht
05.10.2010 - OPPENHEIM
Von Hellmut Wernher
ANTON PRÄTORIUS Dekanatshaus in Oppenheim ist Kämpfer gegen Hexenwahn und Folter gewidmet
Das Gebäude am Markt neben dem Martin-Luther-Haus, in dem das evangelische Dekanat untergebracht ist, trägt fortan den Namen des kurpfälzischen Pfarrers Anton Prätorius, der sich gegen Hexenverfolgung und Folter einsetzte und von 1589 bis 1592 an der Katharinenkirche wirkte. Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator enthüllte im Beisein zahlreicher Gäste eine Schautafel und betonte, der vor 450 Jahren geborene Prätorius stehe für Wahrhaftigkeit und gegen Missbrauch von Macht.
Zuvor hatte der Leiter des Landesarchivs Speyer, Dr. Walter Rummel, nicht nur das Leben und Wirken Prätorius’ beleuchtet, sondern auch einen einprägsamen Einblick in das Phänomen des Hexenwahns und seine grauenvollen Auswirkungen vermittelt.
Geständnisse unter Folter erpresst
Ausgehend von der Meinung der Kirche an der Wende des 14. zum 15. Jahrhundert, Ketzer hätten sich dem Teufel verschrieben, verbreitete sich in Europa der frühneuzeitliche Hexenglaube aus. Missernten, Totgeburten, Krankheiten und Hungersnöte rechnete man den Zauberern und Hexen an, die mit dem Teufel in Buhlschaft lebten. Da Abfall von Gott und Sodomie todeswürdig waren, kam es zu etwa 25 000 Hexenverbrennungen, nachdem unter der Folter Geständnisse erpresst worden waren.
Rummel wies darauf hin, dass es zwar theologische, medizinische und juristische Bedenken gab, doch wurde die Kritik an den Hexenprozessen von der katholischen, aber zum Teil auch von der protestantischen Kirche unterdrückt mit dem Hinweis, die Kritiker seien selbst mit dem Teufel im Bunde. Die Skeptiker betonten die Allmacht Gottes, die keinen Teufelspakt dulde, die Befürworter meinten dagegen, der Teufel herrsche sehr wohl vor der Wiederkunft Christi.
Der 1560 in Lippstadt als Anton Schulze geborene Anton Prätorius erlebte schon als 13-Jähriger eine Hexenverbrennung mit und empörte sich 1593, dass bei einer Hinrichtung in Herrnsheim die erpressten Geständnisse im Detail vorgelesen wurden, was dem Hexenwahn dann neuen Auftrieb gab.
Abschaffung der Folter gefordert
Als Hofprediger des Grafen von Isenburg/Büdingen musste er 1597 als Mitglied des Hexengerichts fungieren und protestierte nach dem Tod dreier Angeklagter bei seinem Brotherrn, der ihn des Landes verwies. In Laudenbach bei Heidelberg fand er eine neue Pfarrstelle. Dort verfasste er 1598 seine zunächst pseudonym erschienene, 300 Seiten umfassende Schrift gegen den Hexenwahn. Mit eigenen Erlebnissen bewies er die Absurdität der Hexenprozesse und forderte, weil nicht biblisch begründet, die Abschaffung der Folter.
Im Stadtmuseum sind in den nächsten drei Wochen Werke von Prätorius ausgestellt, eine Videoschau dokumentiert sein Leben.

