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Oppenheim 

Revolution statt Abitur

25.05.2009 - OPPENHEIM

Von Beate Nietzel

JUGENDFESTSPIELE Eigenproduktion "meerrauschenhören" erntet viel Beifall

"Wenn wir immer im entscheidenden Moment gehen müssen, dann verpassen wir doch unsere Zeit!": Anna lässt ratlos die rote Fahne sinken, hält nach den Freunden Ausschau. Aber die sind längst frühstücken, jobben oder Abi schreiben. Dabei wollte man doch Revolution machen. Oder zumindest anders sein als die Alten, die nach Tee, Bratkartoffeln oder Erde riechen. Denn der Mix aus Deo, Haarspray, Hasch und Knoblauch verheißt Aufbruch statt Verharren, und "der Geruch nach Jugend ist wie eine Droge". Revolution? Eine tolle Sache, theoretisch. Aber eigentlich geht´s erstmal darum, das Meer rauschen zu hören - "wenn wir uns Mühe geben". Es ist ja schließlich nur 400 Kilometer weit entfernt. Und mit ihm die Freiheit?

Vor ausverkauften Reihen erntete die Eigenproduktion der Jugendfestspiele in der Burgruine Landskron begeisterten Beifall. Mit "meerrauschenhören" der erst 19-jährigen Theaterautorin Laura Naumann brachte der "Gaffa"-Theaterjugendclub Oppenheim ein Stück zur Uraufführung, das der Jugend unverstellt "aufs Maul schaut" und deren Leben hier und heute in all seinem Zwiespalt, der Ratlosigkeit, aber auch dem Spaß und der Komik zitiert. Gaffa - das ist eine Truppe junger Leute, die in der von Peter Grosz betreuten Theater-AG des Gymnasiums vom Bühnenfieber infiziert wurden. Unterstützt wird das Ensemble von einem engagierten Team aus Schülern, die Auf- und Abbau, Technik, Catering und Organisation stemmen. Der Burghof ist an diesem Abend ein Tummelplatz der Jugend; viele Freunde, Familien und Lehrer werden Zeugen sprachlicher und darstellerischer Qualität. Für auch akustische Frühsommerlaune sorgt zum Auftakt "Red Iguana". Die Band, im vergangenen Jahr Sieger beim "Rock´n´Pop-Youngsters"-Wettbewerb, fährt mit ihrer Melange aus funkigen Bläsersätzen, Ska und Pop so manchem Besucher direkt in die Beine.

Danach geht die Party richtig los: Regisseur Peter Grosz lässt die Flammen aus dem Grill schießen, Bierkästen, Klapp-Liegestühle, Zelt und Palme füllen die Szene. Das Spektrum reicht von alternativ über Hippie und Normalo bis zur Mode-Tussi. Lust auf Revolution? "Dringend weitersagen, kommt alle!", hatte ein Flugblatt zuvor gefordert. Nur: "Wer hatte eigentlich die Idee für diesen Abend?", fragt Torben. "Alle wissen, dass sich was ändern muss". Aber was ist "unsere Sache" - Freizeitkommunismus, Kollektivität oder doch die richtige Nagellackfarbe? Hühnchen lebt noch alte Kinderängste, während ihr Bruder Karl sich zulaufen lässt. Sonja beharrt zunächst auf Saft, greift dann doch zur Flasche, wird immer wütender und klebt schließlich Revolutions-Spruchbänder. Die aufgerüschten Zwillinge versuchen ihr Leben als Model intellektuell zu unterfüttern.

"Wir können nicht protestieren, wenn wir nicht wissen, wofür oder wogegen", aber immerhin "sind wir hier, weil wir jung sind". Mit dem Erlauschen des Meeresrauschens jedoch will es nicht immer klappen. Und die Palme geht zum Schluss in Flammen auf.

Schminken, trinken - oder doch die Revolution ausrufen? Die Jugend steckt in "meerrauschenhören" in der Zwickmühle.hbz/M. BahrVergrößern

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