Rosarot ist nicht nur die Torte
26.09.2011 - OPPENHEIM
Von Beate Nietzel
FESTSPIELE Eigenproduktion „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ fordert Darsteller und begeistert Zuschauer
„Die brauchen jetzt erst mal zwei Stunden, um runterzukommen“, weiß Fabian Kelly, dass der Adrenalinspiegel des Quartetts sich vorerst am oberen Anschlag eingepegelt hat. Intensiviert haben dies mit Sicherheit auch die acht „Vorhänge“, zu denen die vier Darsteller mit reichlich Applaus und Bravo-Rufen immer wieder an die Bühne zurückbeordert wurden.
Bitterböser Schlagabtausch und ein Hauch Erotik
Kurz gesagt: Die Premiere der Eigenproduktion der Festspiele im Kulturkeller am Amtsgerichtsplatz war ausverkauft und ein großer Erfolg. „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ von Edward Albee, dieses an den Kindervers vom „Bösen Wolf“ erinnernde Spiel, gerät auch in Oppenheim zu einem bitterbösen, gleichzeitig mit Verzweiflung, Humor und Erotik unterlegten Schlagabtausch zweier ungleicher Ehepaare mit- und gegeneinander.
Oliver Vorwerk allerdings lässt sich erst zum Schlussbeifall sehen, hat sich bei der ersten Vorstellung im Nebenkeller verkrochen, konnte allenfalls hören. „Bei der Premiere kann er nicht zuschauen“, schildert Produzent Kelly die aufgewühlte Gemütslage des Regisseurs, der „seinen Abschiedsmoment braucht und sein Baby erst mal laufen lassen muss.“ Seine Fähigkeit, „das Maximale aus den Schauspielern heraus zu holen“, so Kelly, habe sich aber auch diesmal wieder gezeigt: „Die Schlussszene wurde noch mal komplett umgeworfen“. Milde beleuchtet nach der Vorstellung die im Fachjargon „Opera“ genannte riesige Beleuchtungs- und Projektionsinstallation an der Bühnenrückseite die sich leerenden Zuschauerreihen, auf denen am Premierenabend hörbar auch einige Freunde und Bekannte des Ensembles Platz genommen haben. So etwa Birgit und Uwe Huber: Sie saßen nur einen Meter von ihrer Tochter Nicole entfernt, die als Regieassistentin, das Bühnenskript auf dem Schoß, den reibungslosen Ablauf der Vorstellung nachvollzog. „Uns hat es gut gefallen“, so das Ehepaar aus Gau-Odernheim, „aber wir haben etwas schwer hergefunden.“
Die Truppe hat sich vorerst in den hintersten Keller, den Backstage-Bereich, zurückgezogen. „Die müssen sich jetzt gründlich säubern“, schmunzelt Fabian Kelly. Denn die schaumige, rosafarbene Masse, mit deren Flocken auch Bühne und Boden übersät sind, findet sich großflächig vor allem in den Gesichtern und auf den Kostümen der Mimen. Martha, die weibliche Hauptfigur, hat die hübsche Torte zornentbrannt und mit einer gewissen Endgültigkeit ihrem Ehemann George sowie den Gästen Nick und Honey in die Gesichter geschmiert. Rosarot werden die Besucher bereits am Eingang empfangen. Bunte Lichterketten, perlende Vorhänge, amerikanische Cupcakes, Glimmer- und Glitzer-Deko, der mit einer Hibiskusblüte garnierte rote Secco-Aperitif, serviert vom pink-beschlipsten Team des Fördervereins - die bonbonbunte Aura des Amerika der 60er Jahre hat für einige Abende im Kulturkeller Einzug gehalten.
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