Von Michael Heinze
CITYMEILE Fußgängerzone ist kein rechtsfreier Raum / Drogeriemarkt zieht in Hedderich-Passage
In der Hedderich-Passage wird noch in diesem Jahr der vierte "dm"-Drogerie-Markt in der Innenstadt seine Pforten öffnen. Das kündigte Citymanager Klaus Hammer gestern im Rahmen einer Begehung der Citymeile mit Wirtschaftsdezernent Franz Ringhoffer und Christoph Niederelz vom Vorstand der Werbegemeinschaft des Mainzer Einzelhandels an.
"Kräftig gebaut wird dort schon", meinte Hammer mit Blick auf den Bauzaun vor dem Haupteingang des Anwesens in der Lotharstraße, wo bis vor wenigen Wochen noch ein Früchte-Markt Vitaminreiches an den Mann brachte. Die Straße befindet sich nach wie vor in keinem brillanten Zustand. Von den städtebaulichen Mängeln abgesehen, beobachtet die Stadt mit Argusaugen, wenn Ladeninhaber ihre Auslagen weiter in die Fußgängerzone hineinragen lassen als erlaubt - und damit öffentlichen Raum widerrechtlich in Beschlag nehmen. "Wir werden die Kontrolldichte erhöhen", kündigte Ringhoffer an. "Unsere Maxime sollte sein, dass keiner seine Geschäfte zu Lasten anderer machen darf."
Stärker kontrolliert werden soll auch der ruhende Verkehr, etwa an der Kreuzung Lotharstraße/Adolf-Kolping-Straße. "Hier ist es extrem", klagte Hammer. "Dieser Abschnitt der Fußgängerzone wird bis in die Mittagsstunden als Parkplatz benutzt und das Durchlaufen der Passanten häufig sehr erschwert." Laut Niederelz ist es "nervig für die Kunden, Slalom zu laufen". Der Kaufhof-Geschäftsführer appellierte an Ringhoffer, die Fußgängerzonen häufiger zu bestreifen "oder zumindest mal eine Ermahnung auszusprechen, bevor man zum Knöllchen greift, um etwas Disziplin zu schaffen".
Der Ordnungsdezernent sprach von einem "alten Problem" und verwies darauf, dass 2008 in den Mainzer Fußgängerzonen mehr als 2000 kostenpflichtige Verwarnungen ausgesprochen wurden, in diesem Jahr bis Ende April 450. "Die Leute fahren in die Zonen rein, obwohl sie keine Erlaubnis haben." Insbesondere im Bereich Lotharstraße/Adolf-Kolping-Straße/Stadthausstraße hätten sich die Verstöße gehäuft. "Es ist wirklich ungeheuerlich, was da zum Teil abgeht", urteilte Hammer, der in der Emmeransstraße Richtung Kronberger Hof schon einmal höchstselbst zwei uneinsichtige Sünder angezeigt hat.
Ein Dorn im Auge ist dem City-Manager nicht zuletzt das aufgerissene und mit Asphalt nur provisorisch geschlossene Pflaster am Kardinal-Volk-Platz zwischen Optiker Fielmann und Kebabstube Sofra IV. "Die Asphaltecken sind jetzt seit gut zwei Monaten da", sagt Hammer. "Und weiter vorn wurde auch der Boden aufgerissen, da sind zwei Eisenplatten draufgelegt worden." Ringhoffer erläuterte, der Wirtschaftsbetrieb habe bereits signalisiert, dass das Pflaster "demnächst" wieder hergerichtet werden solle.


Halbherzige und deshalb wirkungslose Verkehrsüberwachung
Was ... was lese ich da? Der vierte dm-Markt soll in der City eröffnet werden? Nicht der fünfzigste Frisör, auch nicht der zwanzigste Handy-Laden, nein, der vierte dm-Markt (zu den bereits vorhandenen Drogeriemärkten)! Hat denn der City-Manager wenigstens denselben Feixtanz wie bei der geplanten Globus-Eröffnung aufgeführt? War wohl auch nicht nötig, scheinbar hat noch ein weiterer Drogeriemarkt gefehlt.
Das alte Problem des Ordnungsdezernenten - die Straßenverkehrsordnung durchzusetzen - scheint für ihn ein größeres oder vielleicht sogar ein unlösbares Problem zu sein. Die Stadt Münster zum Beispiel widmet sich dem gleichen Problem mit fünfzehn Fahrradstreifen und zehn Fußgängerstreifen und zwar mit zunehmendem Erfolg. In Mainz soll das so nebenbei erledigt werden und man wundert sich, dass in der Innenstadt Verkehrsanarchie herrscht. Im Jahr 2.000 kostenpflichtige Verwarnungen sind am einem Tag fünf und damit glaubt man dem Recht Geltung verschaffen zu können? Reichlich naive Denkweise.