Von Erich Michael Lang
Mediziner Dr. Johannes Wantzen bereitet Reisende auf die Tropen vor
MAINZ. Dr. Johannes Wantzen zählt zu den Menschen, denen man gerne zuhört, weil sie viel Spannendes zu berichten haben. Der Tropenmediziner hat seine Privatpraxis am Brand 12; im Gespräch wird schnell klar, dass es um weit mehr als bloße Reise-, Tauch- oder Arbeitsmedizin geht.
Obwohl allein schon die fachlichen Qualifikationen, die der 53-Jährige vorweisen kann, beeindruckend sind. Was so richtig neugierig und gespannt macht, ist Wantzens nun schon über drei Jahrzehnte währender Einsatz als "Tropendoktor" an den unterschiedlichsten Flecken dieser Erde, von wo er die Erkenntnis mit nach Hause gebracht hat, dass Gesundheit und Krankheit gerade in den Tropen immer auch im Zusammenhang mit den regionalen und jahreszeitlichen Besonderheiten gesehen werden müssen. Der Reisende und erst recht der Berufstätige in fernen Ländern tut sich und seinen Gastgebern einen großen Gefallen, wenn er sich mit Land und Leuten, mit der Kultur und dem sozialen Gefüge auseinander setzt. Nur so können Leib und Seele wirklich ankommen.
Deshalb geht es bei Wantzen, wenn er Privatreisende oder Berufstätige großer Firmen, von THW oder DRK auf die Tropen vorbereitet, nicht bloß ums Impfen. Vorsorge bedeutet auch eine gute Kenntnis des Landes, in das man reist. So geht es auch um eine Wohnstätte in Kenia, durch die der Seewind weht, was die Mosquitos nicht mögen. Oder um einen Benzinrasenmäher, mit dem in Asien eine Königskobra aus ihrem Nest im Garten vertrieben werden kann.
Wantzen war als Regierungsberater für die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit jahrelang in Madagaskar, in Namibia und Sri Lanka. Für den Reiseveranstalter Tui war er auch einmal als Tropendoktor auf den Malediven. Heute noch hält er für Mediziner Fortbildungskurse für Arbeits- und Tropenmedizin direkt in Madagaskar ab. Seine Praxis ist übrigens staatliche Gelbfieberimpfstelle. 40 Prozent der Patienten sind aus dem Kreis der internationalen Katastrophenhelfer, die fit für ihren Einsatz gemacht werden müssen.
Die Vorsorge ist das eine, die Nachsorge nach einem Tropenaufenthalt das andere. Manche Erkrankungen treten erst Wochen nach der Rückkehr auf. "Für einen Reisemediziner ist die zentrale Frage: Wo warst Du, wo kommst Du her?", sagt Wantzen. "Manche Patienten, die zu mir kommen, waren schon häufig in Behandlung, aber die Ursache ihrer Erkrankung wurde nicht erkannt", so Wantzen. Als Arbeitsmediziner weiß Wantzen, dass es dabei auch im schlimmsten Fall um die Bewertung einer Berufsunfähigkeit gehen kann, wenn nämlich eine ernste Erkrankung im Zusammenhang mit einem berufsbedingten Tropenaufenthalt steht. "Ohne Panik zu schüren möchte ich doch für ein vernünftiges Problembewusstsein sorgen", sagt Wantzen. In der Dominikanischen Republik beispielsweise, wenn jemand einen All-inclusive-Urlaub in einer Hotelanlage gebucht habe, seien die Risiken relativ gering. Wer aber eine Tour durchs Land plane, müsse sich ganz anders schützen.
Der Blick über den rein medizinischen Tellerrand zeichnet Wantzen schon von Anfang an aus. Er hat auch Biologie studiert und hat sich - auch wegen seiner tropenmedizinischen Profession - große Kenntnisse über Gifttiere angeeignet. Zugleich zeigt er sich offen für manche Naturheilverfahren in den fernen Ländern. "Man muss aber auch wissen, dass mancherorts eine Erkrankung als schicksalhaft und gottgegeben gilt, was die Behandlung dann extrem schwierig macht", so Wantzen.
Obwohl er über viele Jahre rund um den Globus unterwegs war, ist Dr. Johannes Wanzen kein Globetrotter, sondern liebt seine Wurzeln. "Immer, wenn ich zurück komme und Rheinhessen sehe, geht mir das Herz auf."

