OB Ebling beim AZ-Wirtschaftstreff: „Es tut sich eine Menge in Mainz“ - Investor für Hauptpost?
29.08.2012
Von Michael Erfurth
Als ein Gast des AZ-Wirtschaftstreffs meinte, Mainz werde immer mehr zur Schlafstadt, goss sich Michael Ebling (SPD) erst einmal ein Glas Rotwein ein. Diese Einschätzung habe mit den Realitäten nichts zu tun, konterte der Oberbürgermeister. Mainz habe Kennzahlen, „da würden sich viele andere Städte alle fünf Finger danach lecken“, sagte der OB und nannte die Vielzahl der Unternehmen, die vergleichsweise gute Beschäftigungssituation, die Universität als dickes Pfund mit großer Zukunft oder die Tatsache, dass Mainz nach München die zweitjüngste Stadt Deutschlands sei, als Beispiele.
Rund 90 Gäste aus Mainzer Geschäften und Unternehmen waren der Einladung von Rudolf Speich, Anzeigenleiter „Regionale Märkte“ der Verlagsgruppe Rhein Main, zum AZ-Wirtschaftstreff im Gebäude der Verlagsgruppe Rhein Main (VRM) gefolgt, um OB Ebling, seit 18. April im Amt, näher kennenzulernen und mit ihm zu diskutieren.
„Bei uns wandern die Leute nicht ab“
Auch wenn die Stadtkasse keine großen Sprünge mehr zulasse – „es tut sich eine Menge in der Stadt“, sagte der OB. „Das macht sich auch an den vielen Beilagen fest, die ich allmorgendlich aus der AZ hole.“ Möbel Martin habe im Hechtsheimer Wirtschaftspark einen sehr guten Start hingelegt. Möbelkunden, die zuvor über den Rhein nach Hessen gefahren seien, kauften nun in Mainz ein. Das Oberzentrum Mainz wachse, die Landeshauptstadt habe konstant über 200.000 Einwohner – „bei uns wandern die Leute nicht ab“. Und im Einzugsgebiet lebten 800.000 Menschen. „Wir bewegen ein Einkaufsvolumen von 1,2 Milliarden Euro. Das ist mehr wie in vielen anderen Städten.“
Dennoch gelt es, sich der wachsenden Konkurrenz zum Beispiel aus Wiesbaden, aber auch aus den rheinhessischen Umlandgemeinden zu stellen. „Wir brauchen die Aufwertung der Ludwigsstraße“, betonte daher der OB. Daher habe er ein großes Interesse, dass ECE gemäß der Leitlinien für das Einkaufsquartier, die der Stadtrat im Oktober beschließen wird, den Bereich mit und um Karstadt entwickelt. Entstehen soll ein Stadtquartier, „dass durch Kleinteiligkeit und nicht durch Klotzigkeit besticht.“ Ohne das Engagement eines privaten Investors werde sich an der Lu indes nichts tun, so Ebling. „Das Ziel bleibt, dass diese Investition gelingt.“ Damit werde auch das Tripol-Konzept der Einkaufsstadt mit den drei Säulen Römerpassage, Brand und Ludwigsstraße weiter mit Leben gefüllt.
Dieses Tripol-Konzept allerdings stieß beim Wirtschaftstreff auf die Kritik von Einzelhändlern, deren Geschäfte außerhalb dieses Dreiecks liegen. „Das Bleichenviertel wird zur Zweitklassigkeit degradiert“, monierte Friedrich Demmler, Inhaber des Kinderladen Wirth. Auch am Münsterplatz tue sich nichts.
40 Läden in Hauptpost?
40 Läden auf dem Hauptpost-Areal?
Das ECE-Projekt und das Tripol-Konzept blockiere Entwicklungen an anderen Stellen, sagte Demmler, und nannte als Beispiel das Hauptpost-Areal zwischen Bahnhofstraße und Gärtnergasse. Das Gebäude stehe zum Verkauf und es gebe die Möglichkeit, dass ein Investor dort ein Geschäftszentrum mit bis zu 40 Läden schaffen könnte. Für Ebling wie auch für Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP), ebenfalls Gast beim Wirtschaftstreff, war diese Information neu. An die Stadt habe sich wegen der Hauptpost noch kein Investor gewandt. „Wir würden mit solch einem Investor natürlich gerne reden“, so Ebling. Das Tripol-Konzept diene dazu, „die langen Laufwege in der Innenstadt für die Kunden nicht noch länger zu machen“, erläuterte Sitte. „Was natürlich nicht heißt, dass in anderen Vierteln nichts passiert.“
AZ-Redakteurin Eva Fauth nutzte vor der Diskussion die Gelegenheit, den Einzelhändlern die Kinderzeitung Kruschel der VRM vorzustellen. Daher nahm das Zeitungsmonster nicht nur die Gäste in Empfang, sondern herzte auch den Oberbürgermeister.


