Füße wippen zu heiterer Orgel
31.01.2012 - ZORNHEIM
(mpf). Romantik, Kantabilität und tänzerische Beschwingtheit ziehen sich wie ein roter Faden durch die Jahrhunderte „heiterer Orgelmusik“. Dies gilt für Giuseppe Giovanni Morandi (1777 bis 1856), den romantischen, italienischen Komponisten und Organisten, ebenso wie für den zeitgenössischen Hans Uwe Hielscher (1945), dessen Orgelwerke zumeist klanglich von der französischen Romantik inspiriert sind. Der Organist und Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Mainz-Gonsenheim, Peter Paulnitz, konnte diese Linie von Giuseppe Morandis „Raccolta di sonate per gli organi moderni Nr. 12“, jenes überraschend leichten und von der melodiösen Schönheit der italienischen Oper beeinflussten Eucharistie-Werkes, bis zu den zehn Variationen über das französische Volkslied „Frère Jacques“ einprägsam nachvollziehen. Die Zuhörer in der Zornheimer evangelischen Kirche begleiteten beim Paulnitz-Konzert „Die heitere Orgel“ die beschwingt einfühlsamen Interpretationen mit Fußwippen.
Kirchenmusik nicht mehr nur Domäne von Bach
Dass traditionelle Kirchenorgeln nicht ausschließlich die Domäne von Bach oder Händel sind, haben vor allem zeitgenössische Komponisten bewiesen, als sie die Klänge der „Königin der Instrumente“ eroberten und deren Ausdruck erweiterten. Der Titel „Danke-Swingfüglein“ spricht für sich und ist wie auch das bezeichnende „Drehorgel-Toccata“ ein überzeugendes Beispiel für die fantasievolle popularstilistische Ausrichtung der Orgelmusik.
In den drei Orgeltänzen „Gerli-Marsch“, „Jodler-Masolke“ und Chilbi-Polka“ habe der Schweizer Komponist Wolfgang Sieber die Musik von den kleinen Hausorgeln der Bauernhöfe auf die große Orgel übertragen, erläuterte Paulnitz in seinen einführenden Worten. In den Stücken wiesen hell klingende Läufe auf die Jodeltradition hin.
Pendeln zwischen Musizierformen
Sigfrid Karg-Elert, Komponist der Jugendstilzeit, pendelt zwischen spätromantischen, impressionistischen und expressionistischen Musizierformen. 33 kurze Stücke für die Orgel widmete er Komponisten wie Verdi, Händel und Strauß, deren Porträts Paulnitz in seinem Konzert vorstellte. Melodisch angehauchte Melodieführung über einem Bass-Grundton beim Verdi-Porträt oder ein prägnanter Drei-Viertel-Takt bei Strauß belegten Paulnitz‘ Anmerkung, dass bei Karg-Elert Händel wie Händel und Strauß eben wie Strauß klänge.

