„Mützen voll Leben“ für afrikanische Kinder
29.12.2010 - KLEIN-WINTERNHEIM
Von Margit Dörr
STRICK-CAFE 16-jährige Schülerin Ann Kathrin Brusenbauch initiiert Einrichtung in Klein-Winternheim und Ober-Olm
Weihnachtlich-gemütlich ist es im evangelischen Gemeindezentrum in Klein-Winternheim. Kerzen, Plätzchen, Kuchen, Kaffee stehen auf dem Tisch. Um ihn herum sitzen zehn Frauen, die eifrig nadeln. Sie stricken Babymützchen und Söckchen, die vor allem für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene in Gabun in Afrika bestimmt sind. Ins Leben gerufen hat diesen Kreis - und das ist das Erstaunliche - die erst 16-jährige Ann Kathrin Brusenbauch.
Seit April gebe es das Strickcafé, erzählt das Mädchen. Zunächst habe sie im Gemeindebrief und dann auch im Mitteilungsblatt der Verbandsgemeinde dazu eingeladen. Mit ihrer Mutter zusammen habe sie schließlich auch Werbung im Seniorencafé in Ober-Olm gemacht. Circa 20 Strickerinnen, hauptsächlich aus der VG Nieder-Olm, aber auch aus Mainz und Umgebung, haben sich nun gefunden. „Viele stricken auch zu Hause, aber einmal im Monat treffen wir uns samstags entweder in Ober-Olm oder in Klein-Winternheim“, berichtet Ann Kathrin.
Sie hat das generationenübergreifende, allerdings zeitlich begrenzte Strickprojekt „Eine Mütze voll Leben“ im vergangenen Jahr in Mainz kennengelernt. Dort hat es die evangelische Jugend Mainz zusammen mit der Kinderorganisation „Save the children“ initiiert. Die Organisation verschickte die Mützchen an Bedürftige in Entwicklungsländern.
Gut informiert erklärt die Zehntklässerin, warum so ein kleines Mützchen so große Bedeutung für das Leben eines Neugeborenen haben kann: „Das Köpfchen ist im Vergleich zum Körper recht groß und selbst wenn das Baby angezogen ist, kann über den Kopf noch viel Wärme entfliehen. Gerade in den armen Ländern, wo die medizinische Versorgung nicht so gut ist, bekommen viele Kinder gleich nach der Geburt Lungenentzündung oder Atemwegsinfekte. Besonders die unterernährt geborenen Babys können die Wärme selbst nicht halten. Dazu hilft das Mützchen.“
Pfarrer Ulrich Dahmer ist begeistert von dem Engagement der Gymnasiastin: „Sie hat sich auch nicht entmutigen lassen, als am Anfang kaum jemand zum Stricken kam.“ Auch Kirchenvorstandmitglied Gertrud Ruppel freut sich: „Ann Kathrin ist ein Gewinn für die Gemeinde.“ Und: „Ich war nie ein Held im Stricken, aber das macht richtig Spaß.“ Ann Kathrins Mutter, Karina Brusenbauch, die ihre Tochter bei der Organisation unterstützt, meint, vier Ober-Olmer Damen anlächelnd: „Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass das Strickprojekt so kommunikativ ist.“
Um zu informieren und das Projekt bekannter zu machen, fand im November ein Informationsabend mit Dr. Roland Wolf aus Worms statt. Er ist Mitglied der Internationalen Stiftung für das Albert-Schweitzer-Hospital und fliegt mehrmals im Jahr nach Lambarene. Insgesamt hat der Kreis schon weit über 1 000 Mützchen gestrickt. Ein Teil wurde den Mainzer Maria-Ward-Schwestern übergeben, die sie einem Waisenhaus in Simbabwe zukommen lassen, das sie betreuen. Auch die Neugeborenenstation in der Uni-Klinik Mainz wurde schon mit den niedlichen Kopfbedeckungen versorgt. Für Wollspenden (für Nadelstärke 2,5 bis 3,5 ) ist der Kreis übrigens immer dankbar.

