Emma unter Volldampf
08.02.2012 - JUGENHEIM
Von Werner Nauert
TUS JUGENHEIM Sitzungs-Lok nimmt mit Augsburger Puppenkiste schnell Fahrt auf
Einen Moment dachten die Zuschauer in der proppenvollen Narrhalla bei der Sitzung des TuS Jugenheim, Marionetten der Augsburger Puppenkiste würden sich auf die Plätze des Elferrats setzen. Sitzungspräsident Frank Blodt klärte schnell auf: „Es sind doch die bekannten Gesichter, die sich nur verkleidet haben.“ Lediglich Udo Bambach musste aus gesundheitlichen Gründen passen.
Bühnenbild und Saaldeko selbst gefertigt
Die unter der Leitung von Susi Geis stehende Fastnachtsabteilung setzt auf Handarbeit. Bühnenbild und Saaldekoration wurden seit Weihnachten in vielen Arbeitsstunden liebevoll selbst gefertigt. Nicht nur das Ambiente stimmte, auch das Programm war eine gelungene Abwechslung von Vorträgen, Gesangsdarbietungen, Tänzen und Sketchen. Alles war bestens vorbereitet und so nahm die Sitzung schnell Fahrt auf.
Nach dem Einmarsch, musikalisch untermalt von den Musikfreunden Jugenheim, tanzte die schmucke Gau-Algesheimer Prinzengarde für das Auditorium und legte die Messlatte hoch. Der Bann war gebrochen, die frostigen Außentemperaturen vergessen und das Stimmungsbarometer im Saal stieg rasant. Großen Anteil daran hatte Sitzungspräsident Blodt, der mit seiner lockeren, jedoch professionellen Art gekonnt durch die Sitzung leitete. Er quittierte den Auftritt der Garde: „Es sind lustige Boppen, die jedes Jahr die Bühne rocken.“ In der Bütt setzten die Jugenheimer auf Politik aus nah und fern, Kokolores und viel Lokalkolorit. Die Mischung stimmte. Beim Protokoll gab es gleich eine Doppelspitze. Landrat Claus Schick, seines Zeichens auch TuS-Vorsitzender, betrat die Lok Emma, die gemäß dem Motto die Bütt darstellte, als Protokoller, der kein Protokoller sein wollte, um dann in seinem Protokoll festzustellen: „Wer den Wulff beraten tut, nehme schnellstens sein’ Hut.“
Pfarrer im Ruhestand besingt das Renterleben
Wenig später betrat Heimo Brinkmann als Protokoller, der ein Protokoller sein wollte, die Bühne. Er spannte einen gekonnten Bogen von Bundes- über Landes- zur Kommunalpolitik und meinte abschließend: „Ich nannte die Dinge beim Namen, so bleibt es auch in Ewigkeit - Amen.“ Pfarrer Paul Geiß, mittlerweile in Ruhestand und Teilzeit in Berlin lebend, besang gemeinsam mit Werner Schoofs das umtriebige Leben zweier Rentner in Waidling.
Die Tanzdarbietungen an diesem Abend waren einfach überragend. Ob die Schneegäns (in lange weiße Gewänder gekleidet, boten sie eine parodistische Darbietung zu Mirelle Mathieus „Akropolis Adieu“), die Turnschwestern, die als Blechbüchsenarme zu gefallen wussten, die Showtanzgruppe Young & Crazy oder das Männerballett - alle vermittelten den Spaß an der Sache. Das Männerballett, gekleidet als Lukas der Lokomotivführer, riss die Zuschauer förmlich von den Sitzen.
Den Höhepunkt stellte derweil die Gruppe „Spirit Steps“ dar. Eine Närrin brachte es nach dem Auftritt der zehn jungen Damen und sechs Männer auf den Punkt: „Die sind einfach der Hammer.“ Als sich weit nach Mitternacht der Elferrat auf seinen Weg von der Bühne zur Sektbar machte, war klar: die Jugenheimer Fastnachter hatten wieder einmal eine tolle Sitzung auf die Beine gestellt.
Nicht einmal kleine Tonprobleme brachten den Sitzungspräsidenten und die Aktiven aus der Ruhe. Die Zuschauer störte es eh nicht, denn sie wurden prächtig unterhalten.

