Sinnlichkeit wirken lassen
22.11.2010 - ESSENHEIM
Von Uta Lehr
AUSSTELLUNG Kunstforum Rheinhessen präsentiert 20 Künstler
Wenn 20 Künstler im Kunstforum Rheinhessen ihre Werke gleichzeitig ausstellen, dann kann nicht jeder von ihnen gewürdigt oder beim Namen genannt werden. Das erklärte auch Vorsitzender Andreas Preywisch in seiner Begrüßung der zahlreichen Besucher im Kunstforum. Es bleibt also nichts anderes übrig, als ganz subjektiv an die Sache heranzugehen. Und gleich ist da das Gefühl, etwas besonders Erwähnenswertes gefunden zu haben: Es sind nicht nur die großformatigen Bilder mit ihren kräftigen Farben, die sofort auffallen. Es ist vielmehr das Sinnliche, das Erotische und nicht Alltägliche, was von den fotorealistischen Frauengemälden der Künstlerin Brigitte Borkott-Gerlach ausgeht: Eine junge Frau in voller Montur auf dem Motorrad - bis ins kleinste Detail mit Pinsel und Farben mit einer Tiefenschärfe nachempfunden, die keine noch so professionelle Kamera hinbekommt. In gleicher glaubhafter Weise vermittelt sie mit ihren Sportbildern vom „American Football“ die Kraft der Kämpfer oder mit ihren Arbeiten aus dem musikalischen Bereich wie Jazz oder Blues die Atmosphäre dieser Musik.
Doch weiter, da sind noch die Bilder von Dagmar C. Robertz „Von Wasserwelten und weltlichen Wesen“. Die ganzen Wahrheiten der Geschichten ihrer dunklen Ölgemälde sind nicht wirklich zu erkennen. Da schaukelt ein Mensch in Hosen, ein Junge oder Mann, in einem schwarzen Nichts. Man kann sich hier seinen eigenen Empfindungen hingeben oder die Künstlerin nach den Beweggründen für ihre Darstellungen befragen.
Inzwischen wird von den Veranstaltern Rot- und Weißwein serviert - mit so einem Glas in der Hand lässt es sich trefflich flanieren, die verschiedenen Werke anschauen und mit anderen Kunstinteressierten plaudern oder auch intensiv diskutieren. Malerin Karin Zeits zeigt in ihren Präsentationen Bäume über Bäume in Mischtechnik auf Leinwand - hier Acryl/Sand. Anmutig stehen sie auf dünnen Stämmen, tragen ihr Laubkleid in blau, grün oder rot in windloser Einsamkeit. Bei den Werken von Helga Schwarzer ist die Liebe zur Stadt Mainz offensichtlich. Die Kupferbergterrasse, der Alexanderturm oder der Wacherker am Kommandantenbau - ihre Ölpastelle zeugen davon, dass sie mit offenen Augen durch die Stadt geht, hier Sehenswertes fotografiert, dort auch zeichnet, um das so Gesehene zu Hause naturgetreu mit ihren Malereien darzustellen.
Im Foyer schmücken die zierlichen Bildnisse von Nikola Jaensch die Wände. Nebenan zeigt der Spanier Amador Vallina zeitgenössische Kunst sowie abstrakte Malerei und Skulpturen. Nicht zu übersehen waren die neuen grafischen Gemälde Mainzer Bauwerke von Sieglinde Nordmann oder auch die Landschafts- und Wolkenbilder von Monika Kirchner-Schilling. Wie alle ausstellenden Künstler hinterließ auch Cartoonist Frank Hoffmann mit seinen verschiedenen Karikaturen einen bleibenden Eindruck bei den Besuchern.

