Ball zum Gastgeber Südafrika zurückschießen
01.12.2010 - HEIDESHEIM
Von Michaela Paefgen-Laß
KULTUR UND POLITIK Heidesheimer Verein spendet Fußbälle aus fairem Handel aus Erlös von Veranstaltungen im WM-Sommer
Nicht in Konkurrenz treten zur Fußballweltmeisterschaft, stattdessen die Gelegenheit nutzen, über Südafrika zu informieren, wollte im Sommer der Heidesheimer Verein „Kultur und Politik“. Deshalb verzichtete er auf seine jährliche Theaterveranstaltung im Hof der Grundschule und setzte auf ein Public Viewing der etwas anderen Art.
Auf Großbildleinwand wurden im Schulhof drei Spiele der deutschen Nationalmannschaft übertragen. Dazu gab es Speisen und Getränke aus Südafrika sowie zahlreiche Informationen über die politischen, sozialen und kulturellen Hintergründe des Landes. An einem vierten Abend wurde außerdem der in den Townships von Soweto gedrehte Film „Carmen“ gezeigt. Mit ins Boot holten sich die Organisatoren acht weitere Vereine aus Heidesheim. Der Erlös aus den Veranstaltungen wurde teils unter den teilnehmenden Vereinen aufgeteilt, ein Großteil aber für Spenden verwendet.
Davon profitierten nun die Fußballer der TSG Heidesheim, der Verein „Simunye“ Freunde der Harding Special School, Südafrika sowie die Initiative Minipatenschaften Ruanda, Heidesheim. Ihnen wurden Fußbälle aus fairem Handel überreicht. „Wir haben uns sehr gefreut, dass die Fußball-WM in Südafrika stattfand“, erklärt Tobias Boss von Kultur und Politik. „Globalisierung symbolisiert durch den Fußball Zusammenhalt statt Bedrohung.“ Dafür sollten nun auch die gespendeten Bälle stehen. „Weil der Fußball aus Südafrika in alle Länder der Erde kam, wollten wir den Ball zum Gastgeber zurückschießen und so die Verbindung stärken.“
Organisiert wurden die unter fairen Bedingungen in Pakistan hergestellten Lederbälle vom Weltladen Heidesheim. Dazu erklärte Ilka Schröder: „Um Lohnkosten zu sparen, werden die Bälle meist in Billiglohnländern von Kindern genäht.“ Bei der von der Handelsorganisation Gepa unterstützen Herstellung von Lederbällen in Pakistan wird konsequent auf Kinderarbeit verzichtet.
Nach Südafrika geht auch der Anteil der evangelischen Kirchengemeinde am Veranstaltungserlös. „Wir unterstützen einen jungen Mann, der aus seinem Heimatland flüchten musste, beim Studium“, erklärte Alexandra Niedringhaus.
Der Verein „Kultur und Politik“ setzt sich seit dem Jahr 2000 parteienübergreifend ein für die kreative und vielseitige Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Kulturen und Gesellschaften. Unter anderem veranstaltet der Verein jährliche Schweigemärsche durch Heidesheim zur Erinnerung an die Reichspogromnacht und Gespräche mit Überlebenden des Holocaust. Als nächstes Projekt werden in Heidesheim Stolpersteine gesetzt, die an die ermordeten jüdischen Mitbürger der Gemeinde erinnern sollen.

