In Heidesheimer Mensa wird selbst gekocht
04.02.2013 - HEIDESHEIM
Von Sigrid Kaselow
11.30 Uhr in der Mensa der Grundschule An der Sandmühle: Ruhe vor dem Sturm, bevor 150 Ganztagsschüler und Hortkinder in mehreren Gruppen zum Essen anrücken. FSJler Tevin Claude ist mit Tischdecken beschäftigt, aus der Küche wabern appetitliche Essensdüfte durch den Raum: Hähnchenschnitzel mit Kartoffelpüree und Rosenkohl stehen aktuell auf dem Speiseplan, zum Nachtisch gibt es Obst und als Nachmittagssnack selbst gebackenen russischen Zupfkuchen aus Vollkornmehl. Eine Schulmensa wie jede andere? Nein, in der Grundschule An der Sandmühle in Heidesheim wird das Essen nicht von einem Caterer angeliefert, hier wird jeden Tag selbst frisch gekocht und gebacken.
Mit eigenem Personal, das fünfmal in der Woche die Mittagsverpflegung für die Schule mit ihren insgesamt 260 Schülern und für drei kommunale Kindergärten in der Verbandsgemeinde zubereitet, wurde im Januar 2011 die neu gebaute Mensa der Sandmühlen-Schule in Betrieb genommen. „Und es läuft prima“, zieht Verbandsbürgermeister Joachim Borrmann nach zwei Jahren Bilanz. Angesichts der positiven Erfahrungen findet er es unverständlich, dass nicht mehr, vor allem kleinere Schulen im Landkreis Mainz-Bingen die Mittagsverpflegung für Ganztagsschüler in Eigenregie übernimmt und sich stattdessen von Caterern beliefern lässt.
Der Verbandsgemeinderat von Heidesheim hatte seinerzeit beschlossen, keine Großküche zu beauftragen, sondern die Verpflegung selbst zu organisieren. 250 Portionen Mittagessen werden jeden Wochentag in der Küche der Sandmühlenschule frisch zubereitet, wobei die hundert Essen für die Kindertagesstätten schon um elf Uhr fertig sein müssen und in die Einrichtungen gebracht werden. Das Konzept trägt sich auch finanziell. „Wir haben damals gut und richtig kalkuliert. Schulkinder zahlen pro Essen 3,50 Euro, die Kindergartenkinder wegen kleinerer Portionen drei Euro, damit sind die laufenden Kosten für Personal, Wareneinkauf und ein Teil der Betriebskosten gedeckt.“
Strom, Gas, Wasser und die Abschreibungen für die 1,5 Millionen Euro teure Mensa trägt die Verbandsgemeinde. Diese Kosten darf sie als Träger laut Gesetz auch nicht umlegen.
Die fünf Frauen in der Küche und die zwei FSJler sind bei der Verbandsgemeinde als Teilzeitkräfte angestellt. Küchenchefin Ulrike Schäfer organisiert mit ihren Mitarbeiterinnen Susanne Streitwieser, Nadja Schmidt, Anja Czsäkalska und Ünker Alici Planung, Einkauf und die täglich frische Zubereitung des Essens.
Gemüse aus der Region
„Wir richten uns nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die für 20 Schultage monatlich acht Mal ein Menü mit Fleisch, viermal Fisch, zweimal Vollkornnudeln oder Reis und ein- bis zweimal Hülsenfrüchte vorschlagen. Auch sollen mindesten 50 Prozent der Backwaren mit Vollkornmehl zubereitet werden. Das setzen wir mit unserem Menüplan um“, erklärt Ulrike Schäfer. Dazu gibt es täglich Obst, Rohkost und Salat. Kartoffeln, viele Gemüsesorten und Äpfel bezieht die Schulmensa von Landwirten aus der Umgebung. „Wenn Sonderwünsche oder Änderungen anstehen, sind das kurze Wege. Wir brauchen zum Beispiel für die Kinder kleine statt großer Äpfel, das wird schnell und unbürokratisch umgesetzt“, erzählt Schäfer.


