Vom Kongress ins Weingut
26.05.2010 - LÖRZWEILER
Von Margit Dörr
GESELLSCHAFT Gewerkschafterin Namrata Bali zur Stippvisite in Lörzweiler
„Es geht mir um die Wertschätzung der Frauen und der Arbeit, die sie tun“, erklärte Namrata Bali. Die 45-Jährige kommt aus Ahmedabad, einer Stadt mit vier Millionen Einwohnern im Westen Indiens. Seit 25 Jahren arbeitet sie für die indische Gewerkschaft Self Employed Women Association (SEWA), die sich um 1,3 Millionen Frauen kümmert; seit 18 Jahren hat sie den Vorsitz inne. Ihr großes Anliegen ist es, sich um die Rechte und Interessen der Frauen zu kümmern und sie zu organisieren.
Auf Einladung des DGB-Landesvorsitzenden von Rheinland-Pfalz, Dietmar Muscheid, besuchte Namrata Bali mit ihrem Ehemann Sanjay Matta die Weinbaugemeinde. Das Ehepaar war zunächst zu Gast beim DGB-Bundeskongress in Berlin und kam abschließend zu einem viertägigen Besuch nach Rheinland-Pfalz.
Gemeinsam mit dem Ehepaar Muscheid und dem Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft Rheinland-Pfalz, Ernst Scharbach, ließ sich das indische Ehepaar die Weinherstellung im „Weingut am Königstuhl“ von Inhaber Hans-Joachim Weitzel und Sohn Johannes erklären. Mit dabei war auch die Jugendsekretärin des DGB Rheinland-Pfalz, Susanne Wingertszahn, und deren Ehemann Dr. Jörn Woll, der zurzeit in Indien arbeitet und die englischsprachige Unterhaltung unterstützte. Besonders Matta interessierte sich für das Thema Wein, da er in Frankreich zum Koch ausgebildet wurde und in Indien als Berater für Restaurants tätig ist.
Namrata Bali steht in ihrem Heimatland an der Spitze einer Akademie, die Fortbildungen organisiert, angefangen vom Lesen- und Schreibenlernen bis hin zum Aufbau von Trainingscentern, in denen Frauen in „Leadership“ und Management ausgebildet werden können. Die Gewerkschaft kümmert sich um Arbeiterinnen, die ohne Anbindung an Betriebe oder Organisationen arbeiten. Dazu zählen Heimarbeiterinnen, Straßenverkäuferinnen, Tagelöhnerinnen und selbständig Arbeitende. Ein wichtiges Anliegen ist es, die Frauen in Kooperativen zusammenzuschließen, die effektiver produzieren können. Schon während ihres Studiums der Textilchemie hat sich die Gewerkschafterin dafür eingesetzt, solche Kooperativen mit Färberinnen, Weberinnen und Näherinnen zu bilden. „Ein Ziel ist es auch, die Menschen zusammenzubringen, denn durch Kasten, durch Bildungsstand und Minderheitenstatus sind die Inder stark separiert“, meinte sie. Namrata Bali ist in Deutschland, um die internationale Solidarität zu stärken.
Die Inder, die schon mehrfach Deutschland besucht haben, sind begeistert von der Warmherzigkeit und Gastfreundschaft der Menschen. Beeindruckt sind sie auch vom Umweltbewusstsein der Deutschen - besonders von der Energieerzeugung durch Windräder.
Zum Besuch in der Region gehörten auch eine Schifffahrt auf dem Rhein sowie ein Treffen mit Gewerkschaftern in Mainz.

