Von Uta Lehr
Lars Reichow präsentiert "Hüsch und ich"
"Ich möchte ein Clown sein und immer lachen", sang Kabarettist, Pianist, Komponist, Sänger, TV-Moderator und Entertainer Lars Reichow bei den Kulturfrauen im ausverkauften Bürgerhaus Dolles. Mit seinem Programm "Hüsch und ich" zeigte er jedoch, dass sein Genre nicht nur lustig ist, sondern auch sentimental stimmen kann, wenn es darum geht, der großen Legende Hanns Dieter Hüsch, der 80-jährig am 6. Dezember 2005 starb, zu huldigen. "Respekt und Zuneigung empfinde ich für diesen Mann." Er hatte ihn als Posaunist der Jazz-Formation seines Vaters Bernd Reichow auf einer gemeinsamen Tournee im Jahre 1982 kennen gelernt. Wer war Hanns Dieter Hüsch? "Ich habe das, was Sie denken, selbst ausgedacht", verkündet Reichow und stuft ihn als "nicht bekannt", "komisch war er nicht" oder "einen Wahnsinnigen, ein Genie" ein. "Ich finde es schade, dass er nicht mehr lebt. Er fehlt mir." Reichow interpretiert Texte seines "menschlichen und künstlerischen Vorbildes" sowie eigene, "die mit ihm zu tun haben könnten". Auf dieser Basis ist es unerheblich, nicht zu wissen, von wem das Gehörte gerade stammt. "Humor ist, wenn man dennoch nicht weint", "In der Mitte meines Lebens" oder die tragische Geschichte der Sülze - was macht den Unterschied? Auch bei Hüschs Kunstfigur "Hagenbuch", ein notorischer Nörgler, der sich pedantisch über die Tücken des Alltags ereifert, treffen sich die beiden Kabarettisten, denn Reichow versteht es, Hagenbuch nach Mainz zu holen, damit er hier über Gutenberg, das Verschwinden der Platanen, OB Beutel als Schachspieler oder Becks Aufforderung zum Waschen und Rasieren resümiert. Er berichtet über das Leben von Hanns Dieter Hüsch, von der Missbildung seiner Füße, die in langwierigen Operationen gerichtet wurden, oder über die Demütigungen von "Langhaarigen" aus der Studentenbewegung, die ihn auf Burg Waldeck mit teilweise chaotischen Störungen von der Bühne buhten. Später hat Hüsch von seiner "Hinrichtung" gesprochen und die Erlebnisse in einem Lied verarbeitet: "Auf dem Marktplatz in Antwerpen, dort wird morgen in aller Früh ein Mensch versteigert." Als Hüsch im Jahre 1991 seine zweite Frau Christiane heiratete, begann er vergnügter zu schreiben, etwa über Weihnachten: "Vater ist gekränkt, Mutter ist gekränkt, Kind ist gekränkt, Oma ist gekränkt, denn jeder hat dem anderen etwas Falsches geschenkt." Hüsch oder Reichow, wenn ein Vater zu seinem Kind sagt: "Du kommst nach mir" und das Kind antwortet: "Irrtum, Du kommst nach mir." Letztendlich aber Reichow, wenn er schnell und laut Klavier spielt, dazu ebenso schnell und laut singt und man nur "Staubsauger, Hemd, Hund, Schwester ein Stück Kuchen, Ameise und Tschüs" versteht oder doch Hüsch? Egal, das letzte Lied erklingt vom Band und lässt untrüglich die Stimme von Hanns Dieter Hüsch mit seinem bekannten Gute-Nacht-Lied erkennen: "Ein Schmetterling fliegt heim." Weitere Termine von Lars Reichow mit "Hüsch und ich" in Mainz am Montag, 12. März im Frankfurter Hof, vom 14. bis 19. Mai im Forum-Theater Unterhaus

