Alter Platz bleibt im Spiel
13.01.2011 - BODENHEIM
Von Jürgen Strickstrock
SPORTSTÄTTENKONZEPT Rat vertagt Entscheidung zu Bürgel / Option auf neuen Kunstrasen
Der Gemeinderat hat die mit Spannung erwartete Entscheidung zum Sportstättenkonzept vertagt. Auf Antrag der CDU soll noch einmal geprüft werden, ob ein „abgespeckter“ Neubau eines Sportzentrums „Im Bürgel“ mit Hilfe von privaten Investoren doch noch realisiert werden kann.
Nach kontroverser und teilweise sehr emotionaler Debatte rangen sich die Fraktionen überraschend noch zu einem Kompromiss durch, der in einer turbulenten Pause der mehr als dreistündigen Sitzung gefunden wurde. Zunächst hatte es nach einer Kampfabstimmung ausgesehen. Die Verwaltung mit Ortsbürgermeister Thomas Becker-Theilig (SPD) wollte die Mehrheitsempfehlung des „Runden Tischs“ durchsetzen. Sie sah als „kurzfristige Maßnahme“ vor, den Kunstrasensportplatz „Am Guckenberg“ zu sanieren und dafür 600 000 Euro im neuen Haushalt 2011 zur Verfügung zu stellen sowie den Turnverein bei der Anmietung der Tennishalle zu unterstützen. Ergänzend sollte mittelfristig eine Mehrzweckhalle mit Außenanlagen „Im Bürgel“ errichtet werden. Demgegenüber plädierte der CDU-Fraktionschef Wolfgang Kirch dafür, zeitnah prüfen zu lassen, ob das Sportzentrum Bürgel grundsätzlich zur Realisierung als PPP-Modell (Public Private Partnership) geeignet und eine Genehmigung durch die Kommunalaufsicht möglich sei.
Der Mediator des 2009 durch Becker-Theilig eingerichteten „Runden Tischs“, Landschaftsarchitekt Lothar Dongus, erläuterte den Ratsmitgliedern und den zahlreichen Zuhörern im Bürgerhaus Dolles die Beratungen des Gremiums. „Knackpunkt“ sei die Bewertung der Kommunalaufsicht des Kreises, dass die Finanzkraft der mit fast zehn Millionen Euro verschuldeten Gemeinde für neue Großprojekte nicht ausreiche: „Bedarf ist nicht das, was die Bevölkerung und die Vereine wünschen, sondern was die Gemeinde sich leisten kann.“ Deshalb sei kurzfristig nur die wegen der Unfallgefahr für die Sportler unaufschiebbare Sanierung des Kunstrasenplatzes möglich. Markus Liebig (FWG) protestierte dagegen, dass der Verkauf des Sportgeländes am Guckenberg als Baugelände nicht zur Finanzierung einer neuen Sportanlage, sondern nur zur Entschuldung verwendet werden dürfe. Matthias Sonntag (FDP) betonte, die Sanierung sei notwendig, um eine drohende Sperrung zu vermeiden. Günter Achatz (CDU) mahnte, neben dem Fußball auch die anderen Sportarten im Auge zu behalten.
Der von einer breiten Mehrheit bei zwei Enthaltungen getragene Kompromiss sah schließlich so aus, dass die alternative Handlungsoption „Bürgel“ des „Runden Tischs“ als PPP-Projekt zeitnah geprüft werden soll und 600 000 Euro unter Ratsvorbehalt in den Haushalt eingestellt werden, die dann entweder für die Sanierung des alten Sportplatzes oder den Neubau im Bürgel verwendet werden sollen.

