Zwölf Stunden gesungen
20.05.2010 - BODENHEIM
Von Marcel Friederich
GOSPELCHOR Bodenheimer „free voices“ produzieren erste eigene CD
Pünktlich zu seinem zehnjährigen Bestehen produziert der Bodenheimer Gospelchor „free voices“ eine eigene CD. Beim Jubiläumskonzert am 11. September soll der Tonträger angeboten werden - und schon jetzt erfolgten dafür die Aufnahmen. Der Chor umfasst rund 90 Sängerinnen und Sänger, womit die „free voices“ zu den größten Gesangsgruppen der Region gehören.
Auf den ersten Blick sieht es ein bisschen nach Picknick aus, hier im Hermann-Weber-Saal des Bürgerhauses Dolles. Überall stehen Kaffeetassen, Salatschüsseln und Wasserflaschen herum. Aber das hat seinen guten Grund: Über zwölf Stunden lang probten und sangen die „free voices“, um die elf bis zwölf Lieder in astreiner Version aufgenommen zu haben. „Deshalb müssen wir uns zwischendrin immer wieder am Buffet stärken“, lächelt Chorleiter Michael Christ, der seit 2002 für die musikalischen Geschicke des Chores verantwortlich ist.
Ohne Zweifel, Christ gehört zu den besten Musikern im gesamten Rhein-Main-Gebiet. Schließlich ist er auch Leiter der Mainzer Hofsänger. Doch heute hat er eine besonders schwierige Aufgabe, weil es für die meisten Sänger die allererste CD-Aufnahme ist. Deshalb ist die Anspannung bei einigen schon recht groß. Vor allem für Yvonne Heil, die bei mehreren Stücken eine Solo-Passage übernimmt. Viel größer als die Anspannung sei jedoch die Vorfreude, die selbst produzierte CD schon bald in den Händen zu halten. „Uns bedeutet dieses Projekt sehr viel“, sagt die Sopranistin Heil. „Wir wollen zeigen, was wir in den letzten zehn Jahren alles gemacht und dazugelernt haben.“ Schließlich soll die CD ein Querschnitt aus zehn Jahren werden - also ein echtes Jubiläums-Projekt. Zum Repertoire gehören verschiedenste Stücke aus den Bereichen Rock, Pop und Gospel.
Derweil sitzt Markus Brückner in einem Nebenraum und lauscht gespannt den Liedern des Chores. Denn Brückner, der „Mann der Tausend Knöpfe“, ist für alle Aufnahmen zuständig. Dafür hat er sein mobiles Aufnahmestudio gleicht mitgebracht, „weil die gesamten Chormitglieder niemals in ein Tonstudio passen würden“, lächelt der Tontechniker. Im Durchschnitt werden alle Lieder je viermal gesungen, ehe Brückner seine Zustimmung gibt - und eine sehr gute Version „im Kasten“ ist.
Unterdessen betont Christ, „dass die Stimmung unter den Sängern richtig gut ist“. Dies sei auch dringend notwendig, „weil wenn man sich zwei Tage lang einschließt, muss die Atmosphäre passen“. Zwar gebe es manchmal auch ein paar Durchhänger, „da die meisten Sänger nur eine zweistündige Probe in der Woche gewohnt sind“. Dennoch sei es gut gelungen, die Motivation und Konzentration an beiden Tagen hochzuhalten. Auch dank der Picknick-Pausen.

