Von Oliver Kreft
Die Mainzer Synagoge wird ein Blickfang, so viel ist jetzt schon klar. Bei einer von der SPD-Landtagsabgeordneten Ulla Brede-Hoffmann initiierten Veranstaltung zum interkulturellen Austausch sprach Architekt Manuel Herz im Beisein von weiteren SPD-Politikern und MAG-Geschäftsführer Lukas Augustin über den Quell seiner Inspiration und symbolische Bezüge der Synagoge zum Talmud, dem bedeutendsten Schriftwerk des Judentums.
Noch erscheint die Außenfassade des Rohbaus mit ihren Fensteröffnungen laut Herz in ihrer Geometrie "wild" und "beliebig". Das werde sich spätestens dann ändern, wenn das Gebäude von einer Keramikfassade mit konzentrisch angeordneten Mustern bedeckt sei, prognostizierte der Architekt.
"Die Silhouette des Gebäudes ist aus fünf Buchstaben geformt", sagte Herz. Denn der hebräische Begriff für "Segnen", Kiddusch, werde dem Gebäude im Längsschnitt seine Form geben. Dazu inspiriert sah sich Herz, weil im Judentum "Schrift und Schreiben wie ein Ersatz für Architektur sein können". Denn mit der Diaspora (ab 586 v. Chr.), der Vertreibung des Judentums aus Jerusalem, hätten die Juden seinerzeit ihre Hauptstadt eingebüßt, "auf die sie ihre Religion beziehen konnten", sagte Herz. Der Talmud sei als ein "Ersatz für Heimat" zu betrachten. Im Fokus hatte Herz zudem die Erzeugung einer Dreidimensionalität, dies geschehe dadurch, dass die Fenster "zu Fluchtpunkten eines simulierten perspektivischen Musters" werden. Dreidimensionalität auch im teilbaren Veranstaltungssaal im Gebäudeinnern "durch die allgegenwärtigen Sichtbeziehungen". Symbolhaftigkeit liegt auch dem hornförmigen Dach über dem Synagogenraum zugrunde, von dem Herzer sagt, es sei "ein Horn gen Himmel, gen Osten" (nach Jerusalem) und ein "Ausdruck des Göttlichen". Auch sei dies "kein Raum, den man sofort erfasst". Im Synagogenraum werde es eine "vertikale Bahnengestaltung" voraussichtlich in Rottönen geben, die Schrift aufgreife und "zu einem Ornament verschwimmt".
Um die Synagoge herum werde es weder eine Mauer noch einen Zaun geben. "Das Gebäude soll sich nicht abschotten", sagte Herz. Gleichwohl trage aber der Einsatz von Sicherheitsglas dem erhöhten Sicherheitsanspruch an Synagogen Rechnung.

