Eisfläche im Goethepark? Versuch abgebrochen
10.02.2012 - NEUSTADT
FEUERWEHRAKTION Fachkräfte warnen vor zu großen Folgeschäden für Beton der Rollschuhbahn / Schon ein Wahlkampfthema
(grü). Fast hätte es geklappt mit kostenfreiem Eislaufen in der Neustadt. „Uns hatte die E-Mail einer 9-Jährigen erreicht, die angesichts der kalten Temperaturen nachgefragt hatte, ob wir nicht eine Eislauffläche schaffen könnten“, sagt Markus Biagoni, Pressesprecher der Stadt Mainz. Bürgermeister Günter Beck (Grüne) fand Gefallen an der Idee.
Am Mittwochnachmittag hatte die Feuerwehr den Rollschuhplatz im Goethepark mit Sprühwasser eingenebelt. Am Donnerstagmorgen begutachteten Fachkräfte, ob der Platz eine über mehrere Zentimeter dicke Eisfläche vertragen würde. „Andere Kommunen machen das ja auch“, so Biagoni. Etwa Bodenheim. Dort düsen viele Kinder schon seit mehreren kalten Wintern über das von der Feuerwehr aufbereitete Eis auf einer Betonpiste. „Für uns wäre es ein Novum gewesen“, so der Pressesprecher. Wäre. Denn die Fachleute urteilten Baigoni zufolge gestern, dass der Betonboden zu große Frostschäden davongetragen hätte. Biagoni: „Und die längerfristige Wetterprognose sieht ja so aus, dass es in einer Woche wieder Plusgrade gibt.“ Der kurze Eislaufspaß hätte entsprechend in keinem Verhältnis gestanden.
Am Donnerstagmittag hatte sich ein besorgter Sören Ohl bei der AZ gemeldet, per E-Mail das Bild des nassen Goetheparkplatzes von Mittwochnachmittag eingesendet. Ohl spielt seit 10 Jahren wöchentlich Inliner-Hockey auf dem Beton. „Dies ist uns jetzt vorerst nicht mehr möglich“, hatte er in Erwartung der Eisfläche geklagt. Ohl stieß bitter auf, dass die Gruppe der Hockeyspieler, die 2009 den Sonderpreis des Ausländerbeirates der Stadt im Rahmen des Wettbewerbs „Nachbarn helfen Nachbarn“ erhalten hatte, bei der Aktion einfach übergangen worden sei, dass sie keine Lobby hätte.
Am Nachmittag trudelte dann eine E-Mail der SPD-Stadtratsfraktion in der AZ ein. Deren Fraktionsvorsitzender Oliver Sucher beklagte: „Das Fluten der Bahnen bei diesen hohen Minus-Temperaturen provoziert ja geradezu Folgeschäden. Mit städtischem Eigentum sollte man verantwortlicher umgehen.“ Dann folgte ein Beitrag der CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Andrea Litzenburger: Wenn es stimme, dass diese Aktion ohne Absprache mit den Fachbehörden erfolgt sei, dann hätte Bürgermeister Beck durch „blinden Aktionismus“ städtische Einrichtungen zumindest leichtfertig möglichen Schäden ausgesetzt. Sören Ohl: „Man merkt, es ist Wahlkampf.“

