BOHNEBEITEL Urgestein Marianne Schaffner wird am Samstag 85 Jahre alt
(red). Wenn andere am Fernseher längst eingenickt oder schon schlafen gegangen waren, brachte sie - oftmals nach Mitternacht - einen Fastnachtssaal noch zum Kochen. Bereits ihre Kostümierung und die ersten Töne ihrer bodenständigen, herzerfrischenden Stimme entlockten den Narren die ersten Lacher. Und wenn sie dann die ersten Schoten von ihrem „Vinzenz“ erzählte, gab es bei Komitee und Auditorium kein Halten mehr. 50 Jahre, von 1959 bis 1999, stand diese waschechte Mombacherin ununterbrochen auf der Bühne ihrer Bohnebeitel: Marianne Schaffner. Sie feiert am heutigen Samstag ihren 85. Geburtstag.
„Marianne war und ist eine eigene, einmalige Type“, sagt Bohnebeitel-Chef Heinz Meller. „Ihre Rollen als Frau Strunzer oder Frau Neureich sind legendär. Ein großartiges karnevalistisches Lebenswerk.“ Dafür erhielt Marianne Schaffner auch in der abgelaufenen Bohnebeitel-Jubiläumskampagne die höchste Auszeichnung des Bundes Deutscher Karneval: den Verdienstorden in Gold mit Brillanten.
„Die Bohnebeitel“, sagt sie selbst, „sind mein zweites Leben. Ich bin froh, dass ich diese großartige Zeit erleben und Mitmenschen Freude spenden durfte.“ Den Spaß an der Fastnacht teilte sie mit ihrem „Friedel“. Denn Marianne Schaffner war nur närrisch mit „em Vinzenz“ verheiratet - privat führte sie 62 Jahre eine glückliche Ehe mit Friedel Schaffner, ehe er im März 2010 verstarb.
Mariannes närrischer Stern ging bei einem jener legendären Kreppelkaffees in der Mombacher Eintracht-Halle auf, in denen teilweise bis zu 2000 rheinhessische Frauen dem Frohsinn frönten. Schaffner: „Zuvor hatte mich mein Vater schon zu einem Vortrag bei einer Kappensitzung seines Kegelclubs bei der Eintracht motiviert.“ Nun war ihr Vater, Otto Schäfer, nicht nur ein Freund der Kugel, sondern auch bereits ein prominenter Bohnebeitel-Narr und bei der zweiten Wiedergründung des Vereins (1926) mit von der Partie. Als „Mumbacher Marktfraa“ ist er noch vielen Älteren ein Begriff. „Ich glaube,“ so Marianne Schaffner, „er war der erste männliche Redner in der Meenzer Fassenacht, der in eine Frauenrolle schlüpfte.“
Schon ihr Großvater, Anton Gottron, saß bei der ersten Vereinsgründung (1886) im Bohnebeitel-Komitee. Ob die Familientradition in vierter Generation fortgeführt wird? Tochter Helga (Kurz) scheint nicht abgeneigt zu sein. Auf jeden Fall sind sie und ihr Mann Marcel mittlerweile aktive Bohnebeitel-Mitglieder - sie beim Kartenteam, er im Komitee.
Zum Jubeltag hat Marianne Schaffner „zum Tag der offenen Tür“ eingeladen. „Do komme die, die immer komme!“

