Von Dagmar Staab
AUSWANDERER Mombacher Schwestern zogen vor 50 Jahren mit ihrer Mutter nach Ohio
Sylvia Seifried bekommt Tränen in die Augen, wenn sie an ihre Zeit nach der Auswanderung in die USA denkt. 50 Jahre ist das nun her. Mit zwölf Jahren zog sie zusammen mit ihrer Schwester Michaela aus der Mombacher Kreuzstraße nach Orrville, einem ländlichen Städtchen in Ohio, etwa eine Autostunde von Cleveland entfernt. Ihre Mutter Hilde Slardek, geborene Sieger, hatte einen amerikanischen Soldaten geheiratet, das Leben in Amerika versprach damals besser zu werden. Noch bis Sonntag ist das Geschwisterpaar bei ihren Mombacher Verwandten zu Gast, der erste Besuch nach 50 Jahren. (Wieder-) Gefunden hat sie sie erst im vergangenen Oktober über Facebook. „Als ich die Gesichter und Namen sah, war mir klar, dass ich richtig bin.“
1961 startete ihr Flugzeug mit Frauen und Kindern von US-Soldaten in Frankfurt. Über Holland ging es weiter nach Ohio. „Die erste Zeit war sehr hart. Wir konnten kein Englisch sprechen und auch nicht verstehen.“ Das Essen habe anders geschmeckt und anders ausgesehen. Zudem sei die Stiefoma eine schlechte Köchin gewesen. „Sie wollte auch immer, dass wir Englisch reden, damit sie verstehen konnte, was wir so tuscheln.“ Schwester Michaela war damals sieben Jahre alt. „Ich hatte Probleme in der Schule und wollte nur zurück zu meiner Oma.“ Sie sei als einziges Mädchen mit Hosen zum Unterricht erschienen, „dabei waren Kleider Vorschrift“. Erinnerungen an Deutschland könne sie keine hervorkramen, „ich glaube, ich habe einfach alles vorsichtshalter vergessen“.
Sylvia Seifried kann sich aber noch an die Obstbäume und den Wald erinnern, den es früher statt des Westrings gab. Die Straße sei noch nicht geteert gewesen, bis zum Rhein habe es nur Sand gegeben und wo heute das Nestlé-Werk steht, sei man früher schwimmen gegangen. Von den Geschäften im Ort gebe es noch die Bäckerei, früher Filtzinger, heute Schwind.
Die Besuchswoche in Mainz haben die beiden zu einer Schiffstour auf dem Rhein genutzt („Wie kann man denn auf so steilen Hängen Trauben ernten?“), waren ausgiebig shoppen („Ich liebe Marzipan, Lebkuchen und Birkenstocks.“) und lecker Deutsche Küche genießen („Bei uns gibt es keine Möglichkeit, draußen einen Kaffee zu trinken und die Fleischwurst und das Bismarckbrötchen waren fantastisch.“). Immerhin, Mutter Hilde koche zu Hause in Ohio immer noch Bratkartoffeln, paniertes Kotelett und Kreppel.

