Von Dagmar Staab
KULTURSOMMER Projekt „Mombacher Menschen-Landschaften“ ist ein Mix aus Dokumentation und Liebeserklärung
„Künstlerin sucht Wohnung, gerne mit außergewöhnlichem Schnitt“ hatte Dr. Christa Sturm vor zwei Jahren inseriert. Die gebürtige Saarländerin landete in einer ehemaligen Holzwerkstatt in Mombach, „es sieht aus wie in einem Londoner Vorort und ich find's total cool“. Überhaupt sei Mombach genau ihr Pflaster. „Ich mag die Mischung aus Industrie, Natur, Dorf und Kulturen und auch, wenn es ein bisschen rau zugeht“, gesteht die 45-Jährige.
Fast täglich sei sie in der Pestalozzistraße unterwegs und immer spielten an der Kreuzung Turnerstraße Kinder vieler Nationalitäten zusammen. „Ursprünglich wollte ich das Gewusel nur fotografieren“, sagt die frei schaffende Künstlerin. Am Ende sei das Projekt „Mombacher Menschen-Landschaften“ entstanden, eine Veranstaltung im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz.
Es ist eine Mischung aus Dokumentation und Liebeserklärung. Und das nicht nur von Sturm, sondern auch von Jugendlichen und anderen Künstlern. Das Gesamtprojekt wird am heutigen Freitag ab 19 Uhr mit einer Ausstellung im Seitenschiff der Phönix-Halle eröffnet. Mit dabei sind Videoarbeiten und Foto-Serien von Christa Sturm. Die Ausstellung ist nur zwei Tage zu sehen.
Am Samstag wird es ein Symposium im Haus Haifa geben. Neben dem Vortrag von Sturm zu „Von der Peripherie ins Zentrum des Interesses“ (15.15 Uhr), einer Performance des Künstlerpaares Illig&Illig mitten auf der Hauptstraße mit allen Beteiligten (11.45 Uhr) einem Beitrag von Beuys-Schüler Johannes Stüttgen zum Thema „Soziale Plastiken“ (13.15 Uhr) sowie dem Auftritt von Professor Ellen Bareis zu „Ausschließung und Partizipation (14 Uhr) werden um 14.30 Uhr Fotoarbeiten von Jugendlichen aus Mombach aufgehängt und ausgezeichnet. Als Preise winken Gutscheine, für die Kleinen für einen Kinobesuch, für die Großen für Kleidung und Elektronikartikel. Unterstützt wurden sie bei der Arbeit von Linda Artz, stellvertretende Leiterin des Jugend- und Kulturzentrums Haus Haifa. „Ich habe zum Beispiel erklärt, dass man nicht nur geradeaus fotografieren kann, sondern sich zum Perspektivenwechsel auch mal auf den Boden legen oder auf einen Stuhl stellen kann.“
Dem folgt ab 15 Uhr eine Eat-Art-Performance von dem Aktionskunstpaar horstundireneschmitt. „Dafür kochen die Beiden einen Hot Pot Mombachsa, in dem Zutaten aus den Länder verarbeitet werden, aus denen Menschen in Mombach wohnen“, erklärt Christa Sturm. Den Hauptanteil macht die Türkei aus, dem folgt Italien, haben die Künstler herausgefunden. Danach besichtigt das Auditorium gemeinsam die Ausstellung in der Phönix-Halle.
Am Montag, 19. September, wird dann die Foto-Ausstellung „Typologie Mombacher Tore, Schiersteiner Brücke, Mombacher Farbabstraktionen und Mombacher Industrie“ eröffnet. Alle Werke stammen von Sturm. Zu sehen sind sie bis 4. Oktober in der ersten Etage der Genobank in der Hauptstraße 106 während der Öffnungszeiten. Alle Programmpunkte kosten keinen Eintritt.

