Ein Verfechter von Gerechtigkeit und Solidarität
15.05.2010 - MOMBACH
KETTELER-FORUM Vortragsabend zum Thema Kirche und Arbeiterschaft zeigt das Wirken des vor 200 Jahren geborenen Sozialbischofs
(nwz). Ein Vortragsabend zum Thema Kirche und Arbeiterschaft bildete den Auftakt des Bischof Ketteler-Forums anlässlich des 200. Geburtstags des großen Sozialbischofs und des 100. Jahrestags der Grundsteinlegung der Herz-Jesu-Kirche (einer der beiden Kirchen der Pfarrei St. Nikolaus) in Mombach.
Pfarrer Gottfried Keindl schilderte, welche umfassenden Veränderungen die Industrialisierung und Bevölkerungsexplosion des Ortes mit sich brachten. Wilhelm Emmanuel von Ketteler sei es während seiner Wirkenszeit in Mainz ein Anliegen gewesen, die Nöte der Arbeiter ernst zu nehmen und entsprechende Zeichen zu setzen. Das Gotteshaus wurde daher als Ketteler-Gedächtniskirche gebaut.
CDU-Stadtratsmitglied Dr. Christian Moerchel und Karl-Heinz B. van Lier vom Mainzer Bildungswerk der Konrad-Adenauer-Stiftung würdigten Ketteler als Verfechter von Gerechtigkeit und Solidarität.
„Zu wissen, wo man herkommt, hilft, die Gegenwart und Zukunft besser zu verstehen,” betonte Prof. Dr. Bernhard Vogel, ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen und Ehrenvorsitzender der Konrad Adenauer Stiftung zur Eröffnung seines Vortrags, in dem er die Zuhörer mitnahm auf eine Zeitreise durch die vergangenen zweihundert Jahre. Der Fokus lag dabei auf dem Leben und Wirken Kettelers, der zugleich ein Zeitgenosse von Karl Marx und Adolf Kolping war. Vor dem Hintergrund der sozialen Probleme der damaligen Zeit forderte der „Arbeiterbischof” höhere Löhne und ein gesichertes Existenzminimum, ein Verbot der Kinderarbeit und mehr Schutz für Mütter. Zudem formulierte Ketteler das Prinzip der gegenseitigen Verantwortlichkeit und wurde zu einem Wegbereiter der katholischen Soziallehre.
Darüber hinaus war er an der Gründung der Zentrumspartei beteiligt und setzte sich für Meinungs- und Pressefreiheit ein. Er habe den Menschen in den Mittelpunkt gestellt und nach einem sogenannten „dritten Weg” zwischen Sozialismus und Kapitalismus gesucht.
Neben weiteren Stationen widmete sich Vogel den Zeiten des Wiederaufbaus nach den beiden Weltkriegen und der sozialen Marktwirtschaft unter Ludwig Erhard. „Soziale Gerechtigkeit muss auch heute unser Ziel sein,” appellierte er.

