Nur ein Strohfeuer oder nachhaltige Effekte?
23.06.2010 - MARIENBORN
WELTLADEN Diskussionsrunde in Marienborn über die Auswirkungen der Fußball-WM auf Südafrika
(nkr). Zu einem Gespräch mit den beiden Bildungsreferentinnen Julia Dieckmann und Gifty-Rosetta Amo-Antwi vom Mainzer Weltladen „Unterwegs“ hatte Pfarrer Dr. Karl-Heinz Dejung ins Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Marienborn eingeladen; die Gemeinde ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied des Weltladens. Thema war die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und die Frage, inwieweit das Mega-Event dem ehemaligen Apartheid-Staat zugutekommt. Während die Gemeindemitglieder an afrikanischen Maniok-Chips knabberten, präsentierten die zwei Expertinnen für Fairen Handel zum Einstieg einige Informationen über den WM-Gastgeber.
Die Regenbogennation ist diesjähriges Schwerpunktthema des Weltladens und so liegt nicht nur bei den angebotenen Produkten der Fokus auf Südafrika, sondern auch bei Konzerten und Vorträgen sowie bei der Bildungsarbeit.
Während der anschließenden Diskussionsrunde im Gemeindehaus prallten gegensätzliche Ansichten zum Cup auf dem Schwarzen Kontinent aufeinander. Die einen glauben, dass durch die erhöhte Medienaufmerksamkeit mit dem Klischee des chaotischen Afrika aufgeräumt und damit die Wirtschaft nachhaltig angekurbelt werden kann. Andere zweifeln genau daran: Sie befürchten ein kurzes Strohfeuer, das nach den vier Wochen nur einen Berg Schulden zurücklassen wird. Pfarrer Dejung fasste es so zusammen: „Es wird wie so oft auch bei dieser WM Gewinner, Dulder und Verlierer geben.“
Einig waren sich jedoch alle, dass durch die deutsche Berichterstattung anlässlich des Fußballevents die Möglichkeit besteht, viel Neues über Afrika zu erfahren. Trotzdem fehlt Gifty-Rosetta Amo-Antwi ein entscheidender Punkt: „Es werden immer nur die Extreme gezeigt: Korruption und Chaos oder tanzende, lachende Menschen. Es fehlt die Darstellung vom Alltagsgeschehen.“
Abschließend bemerkte sie: „Warum war während der Eröffnungsfeier eigentlich von Schwarzen und Weißen und nicht von Menschen die Rede, die zusammen gefeiert haben? Kategoriendenken gibt es also leider noch immer, obwohl doch alle Menschen gleich sind.“

