Wenn der Grünschnitt übel müffelt
30.09.2010 - WEISENAU/LAUBENHEIM
Von Kirsten Strasser
PORTLAND-GELÄNDE Anliegern stinkt das neue Biomassezentrum / Betreiber: Anlage läuft noch nicht reibungslos
In Weisenau und Laubenheim formiert sich der Widerstand gegen das neue Biomassezentrum auf dem Portland-Gelände. Denn es stinkt - und das stört die Anwohner gewaltig. „Immer wurde versprochen, es werde keine Geruchsbelästigungen geben“, sagt Ludwig Weingärtner, der in der Wormser Straße wohnt. Doch seit der Probebetrieb in dem Werk, das von der Meinhardt Städtereinigung GmbH & Co. KG betrieben wird, laufe, zögen des öfteren üble Gerüche durch Laubenheim und Weisenau - „bis hin zum Volkspark“.
Auch Heinz-Willy Stemann, der von seinem Haus in der Keltenstraße aus auf das Betriebsgelände blicken kann, rümpft angeekelt die Nase. „Letztens war das Mittagessen auf der Terrasse unmöglich. Es hat so beißend gestunken, dass wir nach drinnen flüchten mussten. Dazu kommt fürchterlicher Krach.“ Und Heinrich Pohl, der in der Moritzstraße lebt und mehrere Wohnungen vermietet hat, berichtet von rebellischen Mietern: „Die drohen wegen des Gestanks schon mit Auszug.“
Das Trio steht nicht alleine: „Mittlerweile sind wir 30 Weisenauer und Laubenheimer, die eine Bürgerinitiative gründen wollen“, erklärt Weingärtner. „Ich bin mir sicher, dass sich uns noch etliche anschließen.“
Weingärtner und seine Mitstreiter machen sich Sorgen. Dass der Gestank bleiben, der Lkw-Verkehr durch Weisenau zunehmen könnte: Wie die Aufsichtsbehörde SGD Süd mitgeteilt hat, hat die Firma Meinhardt die Genehmigung erteilt bekommen, 320 000 Tonnen Abfall pro Jahr zu lagern bzw. aufzubereiten, darunter 150000 Tonnen Gewerbe- und Siedlungsabfall. „Das sind Hunderte LKW-Ladungen pro Tag“, fürchtet Weingärtner. Schon jetzt sei Weisenau durch „Mautflüchtlinge“ schwer belastet. „Außerdem - wer weiß, was bei Gewerbeabfall so dabei ist.“
Dass es in den vergangenen Tagen und Wochen immer mal wieder gestunken hat, will Dr. Bernd Hoffmann von der Firma Meinhardt gar nicht leugnen. Die neue Anlage laufe derzeit noch nicht optimal, erklärt Hoffmann. Es sei bei der Verarbeitung zu Stockungen gekommen, sodass der Grünschnitt länger habe liegen müssen als geplant. „Wir werden versuchen, die Geruchsbelästigung zu minimieren oder abzustellen.“
Gewerbemüll lagere bislang noch nicht auf dem Gelände, betont Hoffmann. „Die Anlage dafür steht noch gar nicht.“ Und: Durch seine Firma werde der Verkehr durch Stadt und Stadtteile nicht zunehmen. „Wir benutzen die Autobahn.“
Ortsvorsteher Ralf Kehrein hält dem Unternehmen die Stange. Meinhardt mache auf ihn einen „vertrauenswürdigen Eindruck“, er glaube, dass das Unternehmen die Anlaufprobleme in den Griff bekomme.
Am morgigen Freitag wird das Biomassezentrum mit 350 geladenen Gästen offiziell eingeweiht. „Stören“ wollen Weingärtner und Co. die Veranstaltung nicht; „wir sind keine Querulanten“. Sie überlegen aber, rechtliche Schritte gegen die Genehmigung der Anlage einzuleiten. Die Kontaktadresse der neuen Initiative: gemeinschaftcontraentsorgung@yahoo.de.

