„Seid ihr alle da?“
04.02.2012 - HECHTSHEIM
Von Nicole Weisheit-Zenz
KASPERLETHEATER Im beheizten Zelt in Hechtsheim tanzen die Puppen
Ein roter Vorhang, hinter dem eine Zipfelmütze zum Vorschein kommt und die Frage „Seid ihr alle da?”, sie gehören einfach zum Kasperle-Theater mit dazu. Beim „Augsburger Kasperle”, das sein (angenehm beheiztes) Zelt auf dem Messegelände in Hechtsheim aufgeschlagen hat, sind die Kinder von Anfang an mit Begeisterung dabei. Ein lautes „Hurra” ertönt und beim „Tri-tra-trullala” singen die Kleinen und Großen im Publikum gleich mit.
Zur Einstimmung auf das diesjährige Gastspiel in Mainz wurde das Stück vom Zauber-Ei gezeigt, an den folgenden Tagen wird das neue Programm „Kasperle und das Gespenst” präsentiert. Mit dabei sind die klassischen Handpuppenfiguren: Prinzessin Tausendschön und der König stehen für das Gute, die böse Hexe Wackelzahn und der leuchtend rote Teufel bilden die Gegenspieler. Die liebevoll gestaltete Kulisse und entsprechende Lichteffekte lassen die Handlung mal bei Hofe, mal auf einer idyllischen Wiese, mal in einem gespenstischen Zauberwald stattfinden. Vor jedem Akt macht ein Glöckchen neugierig darauf, was als nächstes passiert auf der Puppenbühne: Da wird die hübsche Prinzessin in einen Papagei verwandelt oder ein Gespenst treibt im Schloss sein Unwesen. Die Kinder werden aktiv mit einbezogen und erleben die Bandbreite der Gefühle von Spannung bis Freude. Erleichterung ist zu spüren, wenn es dem mutigen Kasperle mit ihrer Hilfe gelingt, eine gute Lösung zu finden. Und nach dem Stück lässt sich der freche Kerl gern von den Kleinen die Hand geben und lädt dazu ein, die Geschichte zu Hause mit den eigenen Puppen und Tieren nachzuspielen.
„Der Kasper war schon immer meine Lieblingsfigur”, erzählt Puppenspielerin Petra Maatz und erinnert sich daran, wie sie ihrem Vater als kleines Mädchen beim Puppen führen zugeschaut hat. Die Liebe zum Theater hat sie von ihm mitbekommen und im eigenen Familienunternehmen, das seit 1820 besteht, ihr Handwerk gelernt. Die Stücke, die früher auf Jahrmärkten aufgeführt wurden, haben eine lange Tradition. Einige der klassischen Handpuppen stammen sogar noch aus den Beständen des Ur-Großvaters. Die schicken Kleider werden noch heute von der Oma genäht. Und auch das Kasperle, das im Zelt mit auf Tournee geht, wird seit 35 Jahren gehegt und gepflegt. „Dazu gehört auch ab und zu eine Gesichtsbehandlung, wenn es von den Kämpfchen mit dem Teufel ein paar Blessuren zurückbehalten hat”, lacht Petra Maatz. Hinter der Bühne steht sie gemeinsam mit ihrem Mann und dem jüngsten Sohn Romano, mit 18 Jahren einer der jüngsten Puppenspieler. Er teilt die Hoffnung seiner Familie, auch im Zeitalter von Fernsehen und Computer noch viele Kinderaugen zum Leuchten zu bringen.

