Montag, 13. Februar 2012 05:54 Uhr
URL: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/stadtteile/gonsenheim/8534860.htm

Allgemeine Zeitung

Gonsenheim 

Über Kasachstan nach Österreich

04.03.2010 - GONSENHEIM

Von Joe Ludwig

JUBILÄUM Früherer Dompfarrer Guido Becker feiert

Auf ein bewegtes, priesterliches Leben blickt heute der aus Gonsenheim stammende, frühere Dompfarrer Guido Becker zurück. In der Ordensgemeinschaft der Diener Jesus und Mariens im niederösterreichischen Blindenmarkt feiert er sein diamantenes Priesterjubiläum. Dort betreut der jetzt 84-Jährige seit 1999 im Priesterseminar als Spiritual die in den Orden eintretenden Kandidaten, Novizen und Scholastiker.

Als erster Gonsenheimer Neu-Priester nach dem Krieg wurde Guido Becker am 4.März 1950 von Bischof Albert Stohr zum Priester geweiht und feierte seine Primiz im heimatlichen Gotteshaus St. Stephan. Nach Kaplansjahren in Bingen, Seligenstadt, Mombach, Offenbach und Oppenheim ist er am 1. April 1960 zum Mainzer Dompfarrer berufen worden. Dieses Amt verwaltete er 33 Jahre lang. In dieser Funktion wirkte er auch als Pfarrer von St. Quintin, und von 1984 an auch zusätzlich als St. Ignaz-Pfarrer.

Nach seiner 1993 erfolgten Pensionierung erfüllte er sich seinen Wunsch, der russischen, katholischen Kirche bei der Seelsorge zu helfen. Er verließ die Heimat, ging nach Kasachstan, und betreute dort Russlanddeutsche in der Pfarrei Aktjubinsk, die größer ist als die gesamte Diözese Mainz. Diese Gläubigen lebten, von Stalin vertrieben und in der Steppe ausgesetzt, weit verstreut. Über ihre Leidenswege schrieb Pfarrer Becker ein Buch, das auch als Dokument in der Bibliothek der Vertriebenen in Berlin vorhanden ist. Mit dem großen Exodus der deutschen Minderheiten gab er 1998 die dortige Arbeit auf, kehrte in die Bundesrepublik zurück, und war zunächst als Hausgeistlicher in einem Altenheim im Saarland tätig. 1999 wechselte er zur genannten Ordensgemeinschaft nach Österreich. Er lebt im dortigen Ordenshaus. Zu den nach Deutschland ausgereisten Russlanddeutschen hält er immer noch Kontakte.

Unvergessen ist für Guido Becker auch die Begegnung mit Papst Johannes Paul II. bei dessen Pastoralbesuch in Kasachstan. Als ihm der Pfarrer vorgestellt wurde, sprach der Papst in deutscher Sprache mit ihm und schenkte ihm einen Rosenkranz.

Unvergessen bleibt für Guido Becker die Begegnung mit Papst Johannes Paul II. bei dessen Pastoralbesuch in Kasachstan. privat


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