Mainzer Sand schützen
24.06.2010 - GONSENHEIM/MOMBACH
Von Christopher Spies
FÜHRUNG Naturfreunde erleben steppenartige Landschaft / Von Autobahnbau beunruhigt
Die Braunrote Stendelwurz, das Kegelfrüchtige Leimkraut und das Frühlings-Adonisröschen haben eines gemeinsam: Alle drei Arten stehen in Deutschland unter Naturschutz und sind als „stark gefährdet“ eingestuft. Die besten Wachstumsbedingungen für diese Pflanzen bieten steppenartige Landschaften - wie der Mainzer Sand. „Rund 260 verschiedene Pflanzenarten gibt es hier und ein nicht geringer Teil ist vom Aussterben bedroht“, sagt Jürgen Weidmann, der Vorsitzende des Arbeitskreises Umwelt Mombach.
Zu einer Führung des engagierten Vereins durch das Naturschutzgebiet haben sich zahlreiche Naturfreunde eingefunden. Dr. Joachim Wolf führt die Gruppe in den Großen Sand. Es ist ein heißer Tag, die steppenartige Fauna und Flora des Gebiets kommt heute besonders gut zur Geltung. Wolf hält inne, wenn er eine der besonderen Pflanzenarten erblickt und erklärt den Besuchern deren Bedeutung.
Das Naturschutzgebiet Großer Sand ist europaweit anerkannt. Sein Reichtum an seltenen Pflanzen und Tieren macht es einzigartig. Doch der Sand ist Gefahren ausgesetzt: „Schon der Bau der A 643 in den 60er Jahren beeinträchtigte das Gebiet“, sagt Weidmann. „Die spezielle Vegetation hier konnte sich nur entwickeln, weil wenig Nährstoffe im Boden vorhanden sind. Ein Überschuss durch die Abgase der Autos wäre gefährlich für den Großen Sand.“
Der geplante Ausbau der Autobahn beunruhigt die Naturschützer. Auch die zu erwartenden Lärmschutzwände könnten dem Gebiet schaden. „Die Autobahn wird kommen, da gibt es eigentlich keine Zweifel“, sagt Gonsenheims Ortsvorsteherin Sabine Flegel. „Naturschutz ist sehr wichtig, aber die Gesundheit der Menschen auch. Deswegen haben sich die Gonsenheimer klar für Lärmschutzwände ausgesprochen.“
Doch nicht nur Tiere, Pflanzen und Erholungssuchende trifft man im Großen Sand - bis heute wird ein Teil des Gebiets von der US-Army und der Bundeswehr als Truppenübungsplatz genutzt. Das Areal ist bis heute in Bundesbesitz. Die militärische Nutzung hat eine lange Tradition: Schon das kaiserliche Heer marschierte hier, Kaiser Wilhelm II. nahm persönlich die Paraden ab. Die Mainzer ÖDP beschäftigte sich unlängst mit der Thematik des Truppenübungsplatzes. Eine Anfrage der Stadtratsfraktion ergab, dass eine intensivere Nutzung durch das Militär in Zukunft nicht zu erwarten ist. Trotzdem sei dies noch nicht zufriedenstellend: „Wann gelingt es endlich, dieses Stück Natur nur für die Bürger zur Verfügung zu stellen?“, fragt der sozialpolitische Sprecher Kurt Mehler.
Zumindest hält sich der Schaden für den Boden in Grenzen. „Es hat sich gezeigt, dass die Kettenfahrzeuge dem Grund eher nützen als schaden“, sagt Umweltschützer Weidmann. Ohne dieses „Umgraben“ würde der sandige Boden zuwachsen. „Würde der Mensch nicht eingreifen, wäre der Mainzer Sand in einigen Jahrzehnten verschwunden.“

