Gygo handelt "grob fahrlässig"
06.03.2010 - GONSENHEIM
Von Michael Heinze
TAUCHKURS Experte Gernot Hörnle bemängelt, dass DRK-Dozenten nur einen Rettungsschwimmschein besitzen
Dass am Gymnasium Gonsenheim (GyGo) im Rahmen des Ganztagsschulprogramms Kurse in Schnorcheln und Tauchen angeboten werden, dagegen hat Gernot Hörnle von der Gesellschaft für Taucherrettung nichts einzuwenden. "Doch Ausbilder sollte jemand sein, der eine Mindestqualifizierung dafür hat", betont der Tauchlehrer, der auch selbst Tauchlehrer ausbildet. Dies sei offenbar nicht der Fall - und dies sei "grob fahrlässig".
Hintergrund: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bietet Projekte an städtischen Ganztagsschulen an. "Unter anderem am GyGo Schnorcheln und Schwimmen, das wohl im Rahmen einer Schnupperstunde durch Tauchen ergänzt werden soll", sagt Hörnle. "Bereits vergangenes Jahr wurden an mich Berichte herangetragen, wonach eine Veranstaltung in eher besorgniserregender Form durchgeführt worden sei." Die "Qualifikation" der Dozenten habe aus einem Rettungsschwimmschein bestanden. "Keine der beiden Dozentinnen, die das Projekt 2009 geleitet haben, verfügen über eine Trainerlizenz oder sonstige Qualifikation, die zu einem solchen Unterricht berechtigen würde", so der 41-Jährige. "Der Rettungsschwimmschein enthält weder die notwendigen Kenntnisse noch die pädagogischen Fähigkeiten, einen Unterricht im Schwimmen oder Schnorcheln abzuhalten. Er qualifiziert zu Schwimmbadaufsicht - zu sonst gar nichts."
Laut Sven Labenz, Referatsleiter für die Schularbeit des Deutschen Jugendrotkreuz beim DRK-Kreisverband Mainz-Bingen, ist das DRK der größte außerschulische Kooperationspartner von Schulen in der Region. Zurzeit biete man mit 70 Mitarbeitern über 120 Schulprojekte für 1900 Kinder pro Woche an, am GyGo mit ausgebildeten Dozenten den Kurs "Schwimmen & Schnorcheln". "In diesem Kurs möchten wir den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bieten, mit einer richtigen Taucherausrüstung auf Tauchstation zu gehen", so Labenz. "Auf Grund der hohen Kosten und medizinischen Vorgaben handelt es sich bewusst um kein dauerhaftes Angebot, sondern um eine einmalige Schnupperstunde." Die Gesellschaft für Taucherrettung habe man ebenso wie sieben bis acht andere Tauchschulen und Tauchverbände um Unterstützung gebeten, um die Schüler für den Tauchsport zu begeistern. Die Resonanz jedoch sei gleich null gewesen. "Wenn sich weiterhin kein Verein findet, der uns unterstützt, werden wir die Schnupperstunde nicht durchführen", versichert Labenz.
Laut GyGo-Schulleiterin Marita Desch-Eppelmann brauche niemand Angst zu haben, dass die Sicherheit der Schüler nicht gewährleistet sei - egal ob beim Schwimmen, Schnorcheln oder Tauchen. "Es ist ganz klar, dass uns die Sicherheit immer vor geht - sonst würden wir das gar nicht mittragen", so Desch-Eppelmann.

