Sprachenvielfalt fördern
10.06.2011 - MAINZ
Von Julia Sloboda
EUROPA-PROJEKT Institut für Interkulturelle Pädagogik erarbeitet deutsches Portfolio / Test an Kitas
25 verschiedene Muttersprachen werden in der Kindertagesstätte Goetheplatz gesprochen. „Mehrsprachigkeit wird bei uns gelebt“, sagte Leiterin Nina Schneider. Ein guter Grund für die Kita, am Projekt „Europäisches Sprachenportfolio“ teilzunehmen, das vom Mainzer Institut für Interkulturelle Pädagogik im Elementarbereich (IPE) entwickelt wurde. Das europäische Sprachenportfolio ist ein Instrument des Europarates, das die Sprachenvielfalt fördern soll.
Verschiedene Altersgruppen werden erfasst
„Es ist ein EU-Ziel, dass jeder Bürger in drei Sprachen kommunizieren kann“, sagte Professor Otto Filtzinger, der Leiter des IPE. Das Sprachenportfolio dokumentiert dabei die Entwicklung jedes Einzelnen. Jedes europäische Land hat Sprachenportfolios für verschiedene Altersgruppen, das deutsche Portfolio für Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren wurde vom IPE entwickelt und im Rahmen der „Stadt der Wissenschaft“ vorgestellt.
„Es geht nicht nur darum, dass Kinder neue Sprachen lernen, es geht hauptsächlich um die Auseinandersetzung mit Sprachen“, so Kita-Leiterin Schneider. „Wie sagst du dazu?“ oder „Wie heißt deine Sprache?“ seien häufige Fragen der Kinder, die am Sprachenportfolio-Projekt teilgenommen hätten.
„Es ist eine unheimliche Denkleistung für Kinder, sich überhaupt zu fragen, wie ihre Sprache heißt. Es ging auch viel um ihre Selbstwahrnehmung“, erklärte Nina Schneider. In der Kita Goetheplatz wurde 2007 zunächst das spanische Modell erprobt. Daraufhin wurde ein deutsches Modell entwickelt, das ebenfalls in der Kita ausprobiert wurde und auch auf die Kitas Kreyßigstraße und Liebfrauen ausgeweitet wurde. Das IPE entwickelte ein Handbuch für Erzieherinnen und Erzieher, wie sie mit dem Sprachenportfolio arbeiten können, das mittlerweile beim Europarat zur Zertifizierung vorliegt.
Das Sprachenportfolio, ein Ordner, den die Kinder selbst gestaltet haben, besteht aus verschiedenen Teilen. In der Sprachbiografie stehen neben Name und Foto des Kindes auch die Bedeutung des Namens oder die in der Familie gesprochenen Sprachen.
„Schatzkiste“ mit eigenen Themen
In einem Dossier, der „Schatzkiste“ der Kinder, sind Themen enthalten, die die Kinder interessieren oder Gegenstände, die sie mit ihrer Sprache verbinden.
In einem Sprachenpass schätzen die Kinder ihre Sprachkenntnisse selbst ein. Am Ende des Projekts bekommt jedes Kind ein Sprachenportfolio-Diplom. „Ich hoffe, dass noch mehr Kitas mitmachen beim Projekt und wir es auch auf die Grundschule ausweiten können“, blickte Otto Filtzinger in die Zukunft.

