Von Andreas Schermer
Akteure der Schauspielschule Mainz zeigen zwölf temporeiche Szenen zur Weihnacht
Zwölf "schöne Bescherungen" tischten die drei Studienjahrgänge der Schauspielschule Mainz in ihrem vorweihnachtlichen szenischen Abend auf. Im eröffnenden Titelstück "Schöne Bescherungen" zeigten Katharina Schmidt, Selina Senti und Lutz Scheffer die Story von Alan Ayckbourn in interessant abstrahierter Form auf Trio-Besetzung reduziert. Im Schul- und Aufführungsraum in der alten Ziegelei zogen die drei Schauspieler des ersten Studienjahrgangs das Auditorium durch ausdrucksstarkes Spiel binnen Minuten in eine viel zu rasant verlaufende Handlungsentwicklung, ohne dass es unnatürlich wirkte. Ehe man sich versah, wurde man zum Voyeur eines nicht zu realistisch gespielten Treibens in der Horizontalen. Stefanie Jansen behandelte das Thema "Die Verliebten" von Carlo Goldoni, dem italienischen Komödiendichter des 18. Jahrhunderts: eine sympathisch hysterische Furie, in monologischer Auseinandersetzung über eine Streitsituation mit ihrem Geliebten flennend, kreischend, schmachtend, emotional hin und her gerissen. Nach so viel hitziger Leidenschaft rezitierte Norma Anthes im kalten Kontrast verbittert und mit sarkastischem Grinsen die intellektuellen Weihnachtsgedanken der auf dem Gefängnisboden sitzenden Ulrike Meinhof (1934-1976): verzweifelt, aggressiv aufbrausend, den Wahnsinn in den Augen. In der Sequenz aus "Sleeping Around" des zeitgenössischen britischen "In-Yer-Face-Theatre"-Dramatikers Mark Ravenhill spielte sich so manches geräuschvoll hinter dem schwarzen Paravent ab. Carolin Freund und Felix Preißler erzählten die Szene einer Marketingchefin, die durch Einsatz ihres Körpers einen Wissenschaftler für ihr Projekt in vermarktungsgeil interpretiertem Statistikraster gewinnen will. Musikalische Intermezzi zum Bühnenumbau waren kurzweilig, doch meist von eher skizzenhafter Intonation. Der zweite Teil der Revue erwies sich als experimenteller. Zunächst versuchte sich das Duo Liljana Elges und Adrian Hagenguth mit einem Fragment aus Shakespeares "Maß für Maß" an klassischer Theaterliteratur. Danach wurde in weißen Ballettkostümen zu lexikalischen Erläuterungen "Der Kuss" überspitzt mimisch dargestellt. Ein abschließender Höhepunkt war der vulgäre Dialog eines schwulen Pärchens im Eisbärfell und Leopardenkostüm. Die Dialogsequenzen waren nicht stringent. Zu dem abstrakten Inhalt erzählte ihre mimische Entwicklung durch alle Extreme der Empfindungswelt eine autarke Handlung. Zum munteren Finale tobten dann alle Akteure zur chaotischen Punkrock-Version von "Scheeflöckchen Weißröckchen" über die Bühne.

