Von Andrea Lohmann
Auftakt der Reihe "Fascinosum Wein"
Mainz wäre nicht Mainz, wenn der Wein nicht einen Vortragssaal randvoll machen würde: In der "Alten Mensa" der Universität haben sich Literaturforscher Hermann Kurzke und Hirnexperte Ernst Pöppel dem "Fascinosum Wein" auf unterschiedliche Weise genähert. Die Veranstaltung mit dem Etikett "Wein und Kultur" war Auftakt der Reihe "Fascinosum Wein" der Deutschen Weinakademie und des Studium Generale. "Wer Wein säuft, sündigt, wer Wein trinkt, betet." Mit diesem Zitat von Theodor Heuss gibt Moderator Norbert Heine einen Vorgeschmack auf die mystische, glorifizierende, aber auch zwiespältige Rolle des Weines in der Gesellschaft. Literaturprofessor Kurzke begibt sich auf diese Spur der vielschichtigen Identität des Weines. Als Thomas-Mann-Experte findet er sie nicht nur im "Zauberberg" und den "Buddenbrooks", sondern bereits in der biblischen Geschichte vom trunkenen Noah. Der Literaturprofessor zeigt an Beispielen, dass gekelterter Rebensaft Genuss, Belebung und Kreativität ist, zugleich aber auch Lüge und Schrankenlosigkeit. Wo die Belebung endet, der Rausch anfängt, bleibt dabei zwar offen. Fest steht aber für Kurzke, dass "vom Wein in der Literatur zu reden, vom Leben reden heißt." Immer und überall taucht der Wein in der Literatur und im Dunstkreis ihrer Erschaffer auf. Dabei verlassen sich nach Kurzke nicht alle Dichter auf die inspirierende Wirkung des Weines. Während Goethe ein "beherrschter Trinkkünstler" gewesen sei, andere wie Ringelnatz sogar eher unbeherrschte, glaubte Thomas Mann: "Poeten vollbringen ihre Leistung nicht mit, sondern trotz des Alkohols." Trotzdem sind seine Werke selbst voll von hoch- und niedrigprozentiger Geselligkeit. Hier schließt sich die Wein-Spurensuche von Literaturexperte und Hirnforscher. Vom Hirnexperten Ernst Pöppel von der Universität München war ein offenes Votum für den Weingenuss nicht zu erwarten. Doch lässt er die Zuhörer ahnen, dass ein Gläschen Wein der Geselligkeit, dem Wohlbefinden und dem Austausch zuträglich sein könnte - und damit eben jene Faktoren fördert, die Grundbausteine der Kreativität sind. Nächster Termin ist heute, Donnerstag, 10. Mai, 18.15 Uhr: "Önologische Verfahren zwischen Tradition und Innovation", Diskussionsrunde.

