Von Maike Hessedenz
Open Ohr-Thema wird Realität/Zeltplatz evakuiert/Bilanz fällt positiv aus
Regen sind die Open Ohr- Fans zwar gewöhnt. Dass jedoch das Programm auf der Zitadelle am Samstagabend unterbrochen und der Zeltplatz evakuiert werden musste und das Jugendamt auf den Katastrophenschutzplan der Stadt zurückgreifen musste, das gab es noch nie.
500 Menschen verbrachten die Nacht von Samstag auf Sonntag, als ein schweres Unwetter über die Stadt zog, im Haus der Jugend und in den Räumen der Zitadellengebäude. Es war keine Aktion der Freien Open Ohr-Projektgruppe zum Thema "Angst", was sich da über dem Himmel zusammenbraute. Nachdem die Organisatoren eine Unwetterwarnung der Stufe zehn erhalten hatten, hatte Jugenddezernentin Birgitt Collisi (SPD) ganze 50 Minuten Zeit, Rettungsdienste und städtische Einrichtungen zu informieren. "Wir wussten nicht, was die Nacht noch bringen würde, daher haben wir beschlossen, das Programm für diesen Abend komplett zu unterbrechen", sagte Collisi. Die Gefahr, dass Bäume umfallen könnten, war einfach zu groß. Glimpflich ging der Abend schließlich aus: Astbruch, einige kleine umgekippte Bäume, überschwemmte Zelte und verwüstete Info-Stände, aber keine Verletzten: So lautet die Unwetter-Bilanz. Bei den Open Ohr-Besuchern sorgte die Unterbrechung des Festivals zwar nicht überall für Begeisterung, die meisten jedoch zeigten Verständnis: "Es war das einzig Vernünftige, das Gelände zu räumen", meinte Karin Klaus-Witten, die mit ihrer Familie, nachdem sich das Unwetter gelegt hatte, dennoch in Autos und Zelten übernachtet hat. Und auch die 24-jährige Elisia und der 29-jährige Andre fanden es erstaunlich, "wie schnell eine so gute Organisation zustande gekommen ist". Ein Zwischenfall, der das Programm einige seiner Top Acts gekostet hat. Dennoch zeigte sich die Projektgruppe am Montag mit dem Festival zufrieden. Eine Besucherzahl stand zum gestrigen Zeitpunkt noch nicht fest, "unser Eindruck ist allerdings, dass das Festival sehr gut besucht war", sagte Collisi. Das Thema "Angst haben... macht Angst" sei gut angekommen, die Auswahl an Musik habe gestimmt, Theater, Kabarett und Film seien erfolgreich gewesen. Allerdings gab es bei der Festivalkritik, zu der bei Regen am Montagnachmittag nur wenige Besucher an den Drususstein gekommen waren, kontroverse Meinungen: Zu flach, zu wenig politischer Inhalt und Brisanz, zu harmlose, "weichgespülte" Foren, lautete das Fazit einiger Besucher. Übereinstimmung fanden Projektgruppe, Standbetreiber und Publikum in dem Punkt, die politischen Info-Stände, die dieses Jahr ihren Platz erstmals auf dem kleinen Schulhof hatten, im nächsten Jahr möglichst wieder auf der Wiese zu platzieren. Die Institutionen hatten über fehlenden Zulauf geklagt. Dass das Open Ohr einer möglichen Privatisierung der Zitadelle zum Opfer fallen könnte, das befürchteten sowohl Besucher als auch die Projektgruppe: Konkrete Pläne eines Verkaufs gebe es nicht, versicherte Collisi. "Ich denke nicht, dass das Ende des Open Ohrs in Sicht ist." Interview / 3.Lokalseite


