Von Michael Erfurth
Land, Stadt und Mainz 05 einigen sich auf Finanzierungsmodell / Grundstücksfrage im Fokus
Das Finanzierungsmodell für den Bau eines Stadions am Europakreisel steht. Jetzt muss es der Stadt gelingen, die Grundstücke südlich der Saarstraße für das 60-Millionen-Euro-Projekt zu erwerben. Dann könnte in etwa 15 Monaten der erste Spatenstich erfolgen.
Die Erleichterung über die gefundene Lösung stand allen ins Gesicht geschrieben. Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) hatte am Karfreitag eigens eine Pressekonferenz einberufen, nachdem sich Mainz 05, Stadt und Land am Vorabend auf ein Finanzierungsmodell geeinigt hatten, mit dem alle gut leben können. Das bestätigte auch 05-Manager Christian Heidel: "Diese Lösung ist ein intelligentes Konstrukt." Das ursprünglich diskutierte Investorenmodell ist vom Tisch, dafür bringen sich alle mit höheren Summen als bislang geplant ein. Dass die öffentliche Hand rund 20 Millionen Euro in das Projekt steckt, hält Bruch für richtig. "Mit dem Bundesligisten Mainz 05 steigt auch de bundesweite Bedeutung des Landes", sagte Bruch und wies darauf hin, dass der Verein ein wichtiger Image-, aber auch eine wirtschaftlicher Faktor für die Region darstelle und Arbeitsplätze schaffe. Auch Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) hält das finanzielle Risiko, das mit dem Vorhaben einhergeht, für verantwortbar. Laut Bruch sei erst dann ein finanzieller Engpass zu erwarten, wenn Mainz 05 über mehrere Jahre im unteren Bereich der Zweiten Liga oder sogar in der Regionalliga spielen würde. Um dieses finanzielle Risiko für die Stadt zu minimieren, wolle das Land eine Beistandserklärung abgeben - darin sei Einigkeit zwischen Innenminister, Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) und OB Beutel erzielt worden. Eine solche Beistandserklärung, die vom Landtag noch befürwortet werden müsse, habe das Land auch für das Stadion in Kaiserlautern abgegeben. Nachdem eine neue EU-Richtlinie das alte Modell einer Landesbürgschaft zur Risikoabsicherung erschwert hatte, sei die jetzt gefundene Lösung die bestmögliche. Wenn die Stadt über eine kommunale Gesellschaft als Bauherr auftritt, können Kommunalkredite eingesetzt werden, die etwa 0,5 bis 0,7 Prozentpunkte günstiger als übliche Kredite sein können. Bei einem Kreditvolumen von bis zu 32,5 Millionen Euro ist dies ein erheblicher Faktor. Laut Beutel soll diese Gesellschaft vermutlich an die städtische Grundstücksverwaltungsgesellschaft (GVG) angegliedert werden. Ein Generalunternehmer würde dann mit dem Bau beauftragt werden. Die Stadt wird die Grundstücke einbringen und für die Verkehrs-Infrastruktur sorgen: An den geschätzten Kosten von rund 15 Millionen Euro wird sich das Land mit 7,5 Millionen Euro beteiligen. Über die Mietzahlungen des Vereins sollen die Kredite der Kommune in 25 bis 30 Jahren abgetragen werden. Der Verein beteiligt sich mit 7,5 Millionen Euro an dem Stadionbau, die, nachdem das Kreditvolumen abgetragen ist, an Mainz 05 zurückfließen - so das Modell. Der Stadtrat soll am 16. Mai das Konzept absegnen. "Die großen Parteien haben Zustimmung signalisiert", sagte Beutel, der mit einer breiten Mehrheit rechnet. Bürgermeister Norbert Schüler (CDU) sprach vom "großen Durchbruch in der Stadionfrage" und bezeichnete den Europakreisel, den er bereits vor über zehn Jahren ins Spiel gebracht hatte, als idealen Standort. Der Finanzausschuss des Stadtrates hatte am Donnerstag grünes Licht gegeben für die Beauftragung von zwei Büros, die binnen drei Monaten einen Masterplan für das Bauvorhaben erstellen sollen. Dann könne das Bebauungsplanverfahren starten, das rund zwölf Monate in Anspruch nehmen würde. 05-Präsident Harald Strutz appellierte an die Grundstückseigentümer, die bislang nicht verkaufsbereit waren, ihre Felder zur Verfügung zu stellen. Bevor diese Frage nicht gelöst sei, könne keine Aussage über den Baubeginn getroffen werden. Wirtschaftsdezernent Franz Ringhoffer (FDP) gab sich optimistisch. "Unser Ziel ist, mit den fünf bis neun Eigentümern einvernehmliche Lösungen zu finden." Als Alternative bleibe ein Umlegungsverfahren, bei dem den Eignern andere Grundstücke zur Verfügung gestellt würden. Beutel betonte, für diese Eigentümer würde es keine Sonderkonditionen geben. Die Vorsitzenden der Ratsfraktionen von CDU und FDP, Andrea Litzenburger und Christopher Sitte, signalisierten ihre Unterstützung für den eingeschlagenen Weg. Jetzt müssten aber noch die Detailfragen geklärt werden. Auch der CDU-Landesvorsitzende Christian Baldauf hat die Einigung begrüßt. "Endlich hat das Tauziehen um den Stadionneubau ein Ende." Kommentar Seite 2

