Von Michael Heinze
Unterschiedliche Sichtweisen bei Mobilfunk-Symposium in Erbacher Hof
Studien lassen keinen sicheren Schluss zu, dass die Nutzung von Handys die Entstehung von Hirntumorerkrankungen begünstigt. Das stellte Klaus Schlaefer vom Deutschen Krebsforschungszentrum beim 6. Rheinland-Pfälzisch-Hessischen Mobilfunk-Symposium klar.
Die Behauptung, wonach die Rate der Hirntumore angestiegen sei, seit es Handys gibt, sei "so nicht haltbar". Allerdings könne man einen Zusammenhang zwischen Handystrahlung und Hirntumoren "auch nicht sicher ausschließen", sagte Schlaefer in seinem Fazit zur so genannten Interphone-Studie. Der Experte betonte, weitere Forschung sei dringend notwendig. Zu der Veranstaltung hatten die Landesverbände des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zusammen mit dem Verband Baubiologie in den Erbacher Hof geladen. Insgesamt wollten 180 Menschen bei der Tagung dabei sein, die die Veranstalter bewusst unter das provokante Motto "...bis der Arzt kommt?" gestellt hatten. "Wenn wir uns die Entwicklung der letzten Jahre ansehen, müssen wir feststellen, dass Politik, Wissenschaft und Gesellschaft im Bezug auf die Mobilfunkfrage stagnieren", bedauerte Friedbert Lohner, Leiter des BUND-Arbeitskreises Elektrosmog und Moderator der Veranstaltung. Trotz zunehmender Proteste von Bürgerinitiativen passiere nichts. Die Industrie treibe ihren Netzausbau voran, die Strahlenbelastung der Bevölkerung steige - und die Verantwortlichen in Staat und Politik schauten zu. Sinn und Zweck des Symposiums sei es, die gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber, wie mit dem Umweltrisiko Handytelefonie umzugehen ist, in den Fokus zu rücken. "Es ist wichtig, den Menschen Orientierung zu geben und sie mehr und mehr in die Lage zu versetzen, bewusst zu entscheiden und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen", sagte Heidelind Weidemann vom BUND-Vorstand Rheinland-Pfalz. Der Politik gehe es um "einen Wachstumswahn um jeden Preis, der den Menschen und die Natur degradiert". Der neue BUND-Landesvorsitzende Dr. Bernhard Braun betonte, er sei dankbar, "dass es ein Team gibt, das die Entwicklung beim Mobilfunk verfolgt". Es sei in diesem Zusammenhang von zentraler Bedeutung, Hartnäckigkeit zu zeigen und "ein deutliches Zeichen zu setzen, dass man sich nicht einfach damit abfindet, sondern weitermacht mit seiner Kritik. Wir wollen klar machen, dass es bei neuer Technik eine Vorsorge geben muss - und nicht eine Nachsorge, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist".


