Von Kirsten Strasser
Etwa 30 Rechtsradikale gehen am Südbahnhof auf Zugreisende los / 18-Jährige verletzt
Rechtsradikale haben am Dienstagabend auf dem Mainzer Südbahnhof eine Gruppe Bahnreisende überfallen. Die Täter warfen eine 18-Jährige auf die Bahngleise und verprügelten sie dort brutal.
Es dauert nur ein paar Minuten. Gegen 20 Uhr fährt ein Zug, aus Rüsselsheim kommend, im Südbahnhof ein. Etwa 30 Männer springen heraus - laut Polizei sind sie höchstwahrscheinlich der rechtsextremen Szene zuzuordnen. Die mutmaßlichen Neonazis greifen sofort eine Gruppe von Leuten an, die auf Bahnsteig 4 auf ihren Zug warten, und werfen mit Bierflaschen nach ihren Köpfen. Die Attackierten versuchen zu fliehen, und den meisten gelingt das auch - nur einem 18-jährigen Mädchen nicht. Die Schläger greifen sich die Lampertheimerin, werfen sie brutal auf die Bahngleise, springen hinterher und schlagen auf sie ein, bis die junge Frau Verletzungen am Kopf und Prellungen am ganzen Körper hat. Erst dann lassen sie von ihrem Opfer ab, steigen wieder in ihren Zug und fahren in Richtung Ludwigshafen davon. Staatsanwaltschaft und Polizei gehen nach ersten Ermittlungen davon aus, dass die Täter von der NPD-Kundgebung in Rüsselsheim kamen und in Mainz nur kurze "Zwischenstation" machten. Offenbar handelte es sich um eine spontane Aktion. "Wir gehen im Moment davon aus, dass sie die Gruppe, die auf dem Bahnsteig wartete, für Mitglieder der linken Szene hielten", nennt Leitender Oberstaatsanwalt Klaus Puderbach ein mögliches Motiv. "Ob dies allerdings wirklich so ist, muss noch geklärt werden." Eine weitere Einschätzung zu dem mutmaßlich rechtsextremen Übergriff will Puderbach zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeben. "Wir müssen die weiteren Ermittlungen abwarten." Dringend sucht die Polizei noch Zeugen, die Angaben zu den Tätern machen können, die sie am Bahnhof oder im Zug gesehen haben. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.


