Von Erich Michael Lang
Uniklinik testet Impfstoff gegen Vogelgrippe / Experten erwarten gute Verträglichkeit
Das Zentrum für Klinische Studien am Mainzer Uniklinikum führt eine Testreihe mit einem Impfstoff gegen das gefürchtete Vogelgrippe-Virus H5N1 durch. 504 Testpersonen sollen dabei helfen herauszufinden, ob der Impfstoff verträglich und wirksam ist.
Wer in die Sprechstunde zum Gebäude 106 auf dem Gelände der Universitätsklinik geht, ist kein Patient, sondern ein Proband. Das Gebäude beherbergt das Zentrum für klinische Studien an der Kinderklinik. Seit über 20 Jahren laufen hier schon Testreihen und Studien zu Impfstoffen, die zur Marktreife geführt werden sollen. Das angstbesetzte Stichwort "Vogelgrippe" hat die Tätigkeit der Forscher kürzlich mehr als üblich ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, weil die Einrichtung für das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline in den kommenden 18 Monaten einen Vogelgrippe-Impfstoff mit 504 Probanden austestet. "Das ist so ähnlich wie bei einem Kochrezept", schmunzelt Dr. Markus Knuf, nebenan in der Kinderklinik Oberarzt und hier im Studienzentrum verantwortlich für das Projekt. Es gibt verschiedene, jeweils anders zusammen gesetzte Vogelgrippe-Impfstoffe. Und herausgefunden werden muss, welche Zusammensetzung dem Körper am besten "schmeckt". Das bedeutet, die Immunität des Probanden sollte lange anhalten bei möglichst geringen Nebenwirkungen. "Es kann auch heraus kommen, dass alle Zusammensetzungen gleich gut wirken", so Knuf. Dass die Impfung anschlägt und allgemein gut verträglich ist, wird von den Forschern ohnehin erwartet, weil es bereits Voruntersuchungen gab. Die großen Hersteller, die sich bereits in der allgemeinen Grippeschutzimpfung profiliert haben, wollen nun auch der Vogelgrippe (H5N1) den Garaus machen helfen. Auch Knuf hält die Szenarien für realistisch im Zusammenhang einer möglichen Übertragung von H5N1 von Mensch zu Mensch. Allerdings werde der Verlauf wohl nicht ganz so dramatisch und seuchenhaft sein wie beispielsweise bei der spanischen Grippe, weil die Schutzmaßnahmen heute andere seien. "Wenn vor 100 Jahren an der Nordseeküste irgendwo tote Schwäne gelegen hätten, dann wären da drumherum noch spielende Kinder gewesen", verdeutlicht der Arzt den Bewusstseinswandel in der Öffentlichkeit gerade auch im Hinblick auf Prävention (Vorbeugung). Der Vogelgrippe-Impfstoff sei anders konstruiert als übliche Grippeimpfstoffe. Es sei auch noch nicht genau abzusehen, worauf die Wirkung abziele. Es könne auch um den Schutz vor einem schweren Verlauf der Grippe gehen und nicht so sehr um den Schutz vor der Ansteckung an sich. Das hänge immer auch davon ab, wie groß das Risiko möglicher Nebenwirkungen sei. Prominente Impfstoffe passierten schon die Räumlichkeiten von Gebäude 106 - so der neue Keuchhusten-Impfstoff oder die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Hervorgegangen aus der Kinderheilkunde, werden inzwischen auch Impfstoffe für Jugendliche und Erwachsene getestet. Manchmal geht es auch darum, für einen Impfstoff für Große auch die Zulassung bei Kindern zu erhalten. Dr. Markus Knuf sieht in Zukunft die Impfmedizin vor allem durch die Tuberkulose in Verbindung auch mit HIV herausgefordert. Einen wirksamen Impfstoff gebe es nicht. Und Erscheinungsformen der Erkrankung seien inzwischen resistent gegen Antibiotika. HIV-Patienten wiederum seien besonders anfällig auch für diese Erkrankung, so dass beide Krankheitsbilder häufig zusammen zu finden seien. "Bereits heute sterben weltweit jährlich Millionen Menschen an der Tuberkulose. Das ist nur nicht so im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Diese Erkrankung ist auch bei uns noch lange nicht besiegt."


