Von Albert Möller
Irischer Musiker Luka Bloom im Frankfurter Hof
Angesichts der schon seit jeher äußerst aktiven Szene an deutschsprachigen Liedermachern vergisst man gerne, dass es auch jenseits der hiesigen Sprachgrenzen eine Menge beachtenswerter Musiker gibt, die sich nur mit Akustikgitarre, Mikrofon und einer gehörigen Portion Charisma ausgestattet vor ein Publikum trauen. Einer jener Singer-Songwriter ist Luka Bloom. Der Sänger und Gitarrist, der eigentlich Barry Moore heißt und der kleine Bruder des wohl noch bekannteren Christy Moore ist, hat sich längst über die Grenzen seiner Heimat Irland hinaus einen Namen gemacht. Schon Sabrina Dinan, die Luka Bloom zu seiner Unterstützung in den Frankfurter Hof mitgebracht hat, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Während ihrer Ansagen steht die zierliche Frau zwar ein wenig verloren auf der Bühne, schüchtern, einen kaum verständlichen irischen Akzent nuschelnd. Sobald sie aber zu einem Song ansetzt, ist die scheinbare Unsicherheit wie weggeblasen. Mit einfühlsamen, nuancierten Songs wie "What the Devil´s Dealt" schlägt sie manchmal folkloristische, manchmal bluesige, aber immer eingängige und durchdringende Töne an. Die Akustikgitarre gibt den Klangteppich, die belegte, rauhe, dennoch jugendlich-zerbrechliche Stimme die betörenden Melodien. Nach einer ungewöhnlich frühen Pause betritt Luka Bloom mit Schwung die Bühne. Mit großem Spaß an der Sache spielt der 52-Jährige Songs aus seinem aktuellen Album "Tribe", aber auch älteres und vor kurzem erst geschriebenes Material. "Ihr Leute in Mainz scheint offen für neue Songs zu sein", sagt er - und setzt direkt zu zwei weiteren neuen Liedern an. Zwischen den Songs fangen die Zuschauer derweil unvermittelt an, Fragen an den Künstler hineinzurufen. Der Sänger quittiert´s mit einem Schmunzeln: "Dieses Konversations-Ding gibt´s irgendwie nur hier in Mainz. Letzte Woche in Koblenz hat keiner Fragen gestellt." Zum Schluss aber ist genug der Fragen. Luka Bloom steigert sich immer mehr, schlägt die Gitarre so brachial an, dass die Saiten zu scheppern anfangen, lässt das Publikum zu "Eastbound Train" mitsingen. Lange hat es gedauert, bis die Begeisterung dem Publikum auch anzumerken ist. Davon, dass das "Eis gebrochen" sei, wie man sonst so oft sagt, kann in diesem Fall keine Rede sein. Vielmehr ist es langsam geschmolzen.


