Samstag, 13. März 2010 19:22 Uhr
URL: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/5205078.htm

Allgemeine Zeitung

Mainz 

Bienen sammeln an Römersteinen

25.10.2007

Von Bernd Funke

Honig- und Weinverkauf helfen der Archäologie

Nein, unter die Imker ist der Landesarchäologe Dr. Gerd Rupprecht (noch) nicht gegangen. Gleichwohl lässt er an den Römersteinen nach eigenen Worten "mehrere fleißige Bienenvölker" für sich summen und sammeln. Unter der Obhut eines erfahrenen Bretzenheimer Imkers schuf Rupprecht jetzt den "Römerstein-Honig". Das zwischen den Pfeilerstümpfen des römischen Aquädukts und der Zahlbacher Achatiuskirche gesammelte Naturprodukt wurde in Demeter-Qualität in 250- und 500-Gramm-Gläsern jetzt den "Damen und Herren von Ageduch" präsentiert, die auf der Banderole der Gläser die Gelegenheit nutzen, auf sich und ihre exklusive Vereinigung aufmerksam zu machen. Rupprecht: "Die Damen und Herren von Ageduch haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Römersteine zu erhalten und zu pflegen. Diesem Kreis können sich natürlich jederzeit weitere Freunde und Förderer des wichtigen Kulturguts `Römersteine` anschließen." Der "Römerstein-Honig" soll indes nicht nur dem "Römerstein-Adel" schmecken: Exklusiv zu erwerben ist er in der Taberna Archaeologica des Isis-Heiligtums in der Römerpassage. Der Verkaufserlös, so versichert Rupprecht, komme selbstredend den Römersteinen zugute. Bei so viel Engagement des Landesarchäologen, der zugleich auch Vorsitzender der Initiative Römisches Mainz (IRM) ist, wollte der Winzer Gerhard Blödel, Betreiber des Weinguts "Historic" in Dexheim und IRM-Mitglied, nicht zurückstehen: Er kreierte zwei Weine (Riesling Spätlese trocken und Müller Thurgau mild) mit dem Namen "Bastion Albani". Auf dem Etikett ist eine römische Spolie (ein wieder verwendetes architektonisches Bauteil) zu sehen. Das Sandsteinbruchstück mit Ranken und Traubenmotiv wurde bei Ausgrabungen am römischen Bühnentheater in der Mauer eines unterirdischen Ganges der Bastion Albani gefunden (die AZ berichtete). Blödel erläutert: "Vom Verkaufserlös des Weins, der ebenso in der Taberna Archaeologica zu erhalten ist, geht ein Teil direkt an die Archäologie." Der Landesarchäologe ist von solchen Zuwendungen natürlich besonders angetan, helfen sie ihm doch, seinem Ziel, die Römersteine aufzuwerten, zumindest schrittweise näher zu kommen. Rupprecht: "Wir wollen das Umfeld gestalten, wozu ein bewuchsfreier rund 50 Zentimeter breiter Streifen um die Steine herum ebenso gehört wie ein Wildrasen mit Kräutern der Römerzeit, eine aussagekräftige Erklärungseinheit und eine Abgrenzung durch einen dezenten halbhohen Staketenzaun." Der sei, so bedauert Rupprecht, leider nötig geworden, weil die Umgebung der Römersteine vermüllt werde, die Steine selbst, wie erst kürzlich wieder geschehen (die AZ berichtete) mit Farbe besprüht worden seien.


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