Sonntag, 12. Februar 2012 21:27 Uhr
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Allgemeine Zeitung

 

Mit Stummfilm-Klassikern um die Welt

24.11.2007

Von Werner Wenzel

"Metropolis-Projekt" führt die Mainzer Vokalistin Silvia Sauer durch mehr als 30 Länder

Stimmig muss es sein, was Silvia Sauer tut. Das ist der Maßstab für das, was sie von sich gibt, für Töne, Klänge, Geräusche, einen Kosmos aus Musik, den sie mit der Stimme gestaltet und der sie im "Metropolis-Projekt" um die Welt führte, wie sie beim Espresso erzählt.

Mit Jazz hat es vor 20 Jahren angefangen, damals war Silvia Sauer oft in Mainz zu hören, gemeinsam mit Pianist Ernst Seitz und Saxophonist Colin Dunwoodie. Und dann kam 1994 die Anfrage, ob man sich vorstellen könne, einen Stummfilm zu vertonen. Espresso Man konnte. "Da fing´s an", sagt Silvia Sauer. Seither haben sie und ihre Mitmusiker, ob im Trio oder dann im Quartett mit Trompeter Ralph Himmler, mehr als 150 Mal in aller Welt Live-Musik zu Fritz Langs Kino-Klassiker "Metropolis" und anderen Stummfilmen aufgeführt, durch mehr als 30 Länder gingen Tourneen, etliche im Auftrag der Goethe-Institute. Man habe zum richtigen Zeitpunkt das "Metropolis-Projekt" angefangen, pünktlich zum 100-jährigen Kino-Jubiläum. "Wir sehen unsere Musik als musikalische Neuinszenierung", sagt Silvia Sauer. Zu Piano, Saxophon, Trompete setzt sie die Stimme ein, kommentiert, illustriert, interpretiert das Filmgeschehen. Jazz, Klassik, Weltmusik, Pop, Improvisationen, all das fließt ein. Jeder Film - nach "Metropolis" folgten unter anderem Murnaus "Faust" sowie Langs "Die Nibelungen" und "Kriemhilds Rache" - brauche seine eigene Musik, und die müsse man erst finden. Und in der Musik spiegelten sich auch die Charaktere der Musiker. Die Reaktionen auf die Filme sind unterschiedlich -  während in Japan eher trocken und höflich applaudiert werde, gingen Zuschauer etwa in Prag oder Bratislava richtig mit. Der Film ist dann auch Transportmittel für die Musik. "Das Publikum hat die gleichen Bilder wie die Musiker, und dann funktioniert das auch bei Leuten, die mit Improvisation sonst nichts anfangen können." Ohnehin vermittle sich Musik leichter, wenn man die gleichen Bilder im Kopf habe. Spannende Begegnungen habe es gegeben in aller Welt, etwa in Manila, wo die Auslandspremiere war. Dort jubelte die Manila Business Week, dass Miss Sauer eine Sängerin sei, "die mit ihrer Stimme fast alles machen kann". Das erfuhren auch Menschen in Seoul, Philadelphia, Sarajevo, St. Petersburg, Peking... Besonders intensiv seien Erinnerungen an Jerusalem, Tel Aviv, Ramallah und Gaza-Stadt. Bei solchen Tourneen seien "Begegnungen möglich, die es sonst so nicht gibt". Aber auch Pannen. Im israelischen Bersheva mussten die Musiker so viele Film-Aussetzer überbrücken, dass man am Ende mit dem Publikum "Der Hahn ist tot" gesungen habe. In Thessaloniki machte der Motor des eigens eingeflogenen Filmprojektors schlapp. Wieder improvisieren - ohne Bilder. 20 Minuten lang sei die Musik von Geräuschen aus dem Vorführraum begleitet worden. Dann hatte der Vorführer aus Türklinken eine Kurbel gebastelt, um den Film mit der Hand abzuspulen. Resultat: "Ein richtig langer Abend bei 15 Bildern pro Sekunde." Als Sängerin will sich die diplomierte Designerin, die auch in einem Mainzer Architekturbüro arbeitet, nicht bezeichnen. "Stimme" sei mehr als Gesang, deshalb steht dieses Wort einfach unter dem Namen beim aktuellen Duo "stimmig" mit dem Wiesbadener Bassisten Jörg Mühlhaus. Das umfasst den kompletten Reichtum der eigenen Stimme, aber auch Stimmen aus der Natur und der Welt. Dies reicht bis hin zu Obertongesang, den Silvia Sauer im Sommer in der Mongolei, wo diese Form des Singens traditionell gepflegt wird, weiter ausgebaut hat. Eine phantastische Erfahrung, sagt sie - vom Leben in der Yurte bis hin zum Singen in der Weite der grandiosen Landschaft. Auch beim nächsten größeren Projekt geht es wieder um Begegnungen - mit Tänzerinnen, einem Künstler, der mit Projektionen arbeitet, Grenzen zwischen virtueller und realer Welt auslotet. Und auch der Humor dürfe nicht fehlen: "Es darf gelacht werden", sagt Silvia Sauer. Bei den Proben in Paris sei sie in den Tanz "mit eingebunden" worden, das liege ihr. Bewegung, Tanz, Bilder, Film, alles interessiert sie, womit Menschen sich und ihre Gefühle, ihre Stimmungen artikulieren können. Stimmig muss es sein.


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