Von Kirsten Strasser
Schwarzfahrer entpuppt sich als Hauptverdächtiger in grausamem Mordfall
Die Mainzer Polizei hat gestern einen Mann festgenommen, der in Italien im Zusammenhang mit einem grausamen Sexualmord gesucht wird. Dabei half ihr ein glücklicher Zufall: Der 21-Jährige wurde im Zug von Koblenz nach Mainz von einem Schaffner kontrolliert. Da er keine Fahrkarte vorweisen konnte, übergab der Zugbegleiter den Schwarzfahrer am Mainzer Hauptbahnhof der Bundespolizei, die ihn, weil auch Ausweispapiere fehlten, ins Polizeipräsidium brachte. Dort wurde der Afrikaner, der von der Elfenbeinküste stammt und sich "Rudy Hermann Guede" nennt, erkennungsdienstlich behandelt. Der Abgleich der Fingerabdrücke brachte die Beamten auf eine ganz heiße Spur - eine Spur, die direkt nach Italien führt. In der kleinen Universitätsstadt Perugia hatte sich am 1. November ein Verbrechen ereignet, das ganz Italien erschütterte. Wie Nachrichtenagenturen meldeten, wurde eine 24 Jahre alte britische Austauschstudentin vergewaltigt und brutal ermordet. Meredith Kercher aus London wollte bei ausgefallenen Sexspielen nicht mitmachen, spekulierten die Medien - und musste deshalb sterben. Die junge Frau wurde einen Tag später mit durchschnittener Kehle in ihrem Zimmer gefunden. Drei Verdächtige, die in den Sexualmord verwickelt sein sollen, fasste die italienische Polizei schnell: Am 6. November wurden eine junge Mitbewohnerin der Studentin aus den USA, deren italienischer Freund und ein kongolesischer Barkeeper festgenommen. Nur dem Hauptverdächtigen, der Fingerabdrücke auf dem blutigen Kopfkissen des Opfers hinterlassen hatte, gelang es, unterzutauchen - bis ihn der Zufall in die Arme der Polizei trieb. Nach Angaben von Polizeisprecherin Heidi Nägel wird der 21-Jährige am heutigen Mittwoch dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der darüber zu entscheiden hat, ob der Mann für das Auslieferungsverfahren festzuhalten ist. Es ist nicht das erste Mal, dass die Mainzer Polizei für die italienischen Kollegen Amtshilfe leistet. Im Januar 2005 fassten Mainzer Beamte einen weltweit gesuchten Killer der neapolitanischen Camorra - der Italiener Raffaele L. hielt sich in Mombach versteckt.


