Mainzer Autorengruppe bittet zum "Fräsendreschen" mit Lyrik und Prosa
cmw. Phrasen dreschen? Nein, Fräsendreschen! Dieses Wortspiel haben die Mitglieder der Mainzer Autorengruppe zum Motto erkoren, um ihre Texte bei ihrer zweiten, gut besuchten, Lesung im Antiquariat am Ballplatz vorgestellt. Das Plakat zur Lesung ziert das Foto einer Metallfräse, die sich funken- und spänesprühend in ein Werkstück hineinfrisst. Dieses Bild, erläutert Moderator Christoph Wirges, repräsentiere in zweifacher Weise die an diesem Abend präsentierten "frischen Stücke aus der Textwerkstatt". Die Texte verbinde entweder das inhaltliche Motiv der einschneidenden Beziehung zwischen Mensch und Maschine oder die stilistische Prägung der Sprache durch das Bild der rasenden Rotation. Um ersteres geht es in "Wie weit ist das Meer", einem Kurzkrimi von Christiane Geldmacher. Dieser führt die Konsequenzen einer Ferienwohnung auf Usedom vor, die sich direkt neben einer lauten Schlosserei befindet und zum Leidwesen einer nervenschwachen Autorin, die auf der Insel Ruhe und Inspiration finden will, keinen Blick aufs Meer vorzuweisen hat. Dass die Metallsäge der Werkstatt die Autorin in den Tod treibt und damit ein erhofftes literarisches Meisterwerk verhindert, verärgert den Wohnungsvermieter Eddy und amüsiert die Zuhörer bestens. Sebastian Spengler liest mit "Der Wald reicht bis ans Haus" eine Folge seiner eigenwilligen Kurzgeschichten über prominente Persönlichkeiten. Dass es die Popsängerin Mariah Carey sein soll, die hier als Dreijährige im verschneiten Kanada vor dem Kamin des elterlichen Holzhauses sitzt, verschafft dem stilsicheren Text einen Moment der Verfremdung, der ihn auf eine leicht surreale Ebene hebt. Die Texte von Ulrich Degwitz, Christiane Geldmacher, Christina Stein, Sebastian Spengler, Erika Kalle, Bernhard Gerl und Christoph Wirges zeigen ein breites Spektrum von Lyrik und Prosa. "Fräsendreschen" - ein anregender Einblick in die Schreibwerkstatt.


