Von Werner Wenzel
Gießener Umweltmediziner kritisiert Rolle von Kollegen beim Kampf gegen Neubauten von Kraftwerken
Die Rolle von Ärzteinitiativen bei geplanten "umweltrelevanten Großprojekten" kritisiert der Gießener Umweltmediziner Prof. Dr. Thomas Eikmann im Hessischen Ärzteblatt. Für Mainz interessant ist dies, weil Eikmann im Genehmigungsverfahren bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd für das geplante Kohleheizkraftwerk laut SGD das umweltmedizinische und humantoxikologische Gutachten erstellen wird. In dem Beitrag schreibt der Umwelt- und Hygienemediziner, dass der Widerstand gegen Projekte wie Kohle- oder Müllheizkraftwerke auch durch das Engagement von Ärzteinitiativen gestärkt werde. Ungeachtet der Debatte um die Klimaauswirkungen durch CO2-Ausstoß sei es aber für Umweltmediziner "problematisch", wenn von Ärzteinitiativen auch die Emission von "umwelttoxikologisch relevanten Schadstoffen", also insbesondere Feinstaub und Stickoxide, in die Diskussion eingebracht würden. Dabei werde "die ganze Palette möglicher Wirkungen derartiger Substanzen, wie sie in der Regel im Hochdosisbereich beobachtet werden", aufgeführt. Es würden erhöhte Raten an Tumoren, respiratorischen Erkrankungen und Allergien "nach Inbetriebnahme der Kraftwerke als unausweichlich dargestellt", so Eikmann in dem Beitrag. "Dieses Horrorszenario, das in erster Linie politischen Druck auf die Entscheider ausüben soll, führt natürlich auch gleichzeitig zu einer nachhaltigen Verunsicherung der Bevölkerung." Dabei gebe es, so Eikmann weiter, für eine umweltmedizinische Bewertung der zusätzlichen Schadstoff-Emissionen durch die Errichtung eines Steinkohle-Kraftwerks objektive Daten, gewonnen aus den Genehmigungsverfahren zum Bau von Müllverbrennungsanlagen. Durch Einsatz modernen Technik könne man davon ausgehen, "dass die schon vorhandenen Immissionskonzentrationen von Luftschadstoffen sich durch die Errichtung der geplanten Kraftwerke praktisch nicht ändern". Bei Müllverbrennungsanlagen sei die "behauptete Verschlechterung des Gesundheitsstatus der betroffenen Bevölkerung" bislang "in keinem einzigen Fall bewiesen" worden. Letzten Endes schadeten Ärzteinitiativen sich selbst am meisten, "wenn die beschworenen Horrorszenarien einer kritischen Prüfung durch ausgewiesene Spezialisten nicht standhalten", unterstreicht Eikmann. Der ganze Beitrag Eikmanns ist im Internet zu finden unter www.aerzteblatt-hessen.de/aktuell.php.


