Von Kirsten Strasser
Am Johannisnacht-Freitag wird Rheinstraße für türkischen Korso gesperrt
Rund 200 Einsatzkräfte der Polizei sollen am Freitag nach dem Europameisterschafts-Viertelfinale zwischen der Türkei und Kroatien dafür sorgen, dass es während der Johannisnacht weder zu Ausschreitungen noch zu Unfällen kommt.
Mit 113 Beamten war die Polizei am vergangenen Sonntag nach dem Türkei-Spiel im Einsatz. Für kommenden Freitag "legen wir noch mal eine Schippe drauf", sagt stellvertretender Polizeipräsident Lothar Schömann. Brisant ist die Lage, weil türkische Fußball-Fans zurzeit nicht gut auf die Polizei zu sprechen sind - und am Freitag Auftakt der Johannisnacht ist. "Alle Fans werden gleich behandelt - ungeachtet ihrer Nationalität", betont Schömann - und reagiert damit auf die Anschuldigungen der Türkischen Gemeinde Mainz (TGM), die der Polizei vorgeworfen hatten, feiernde türkische Fans "angefeindet" zu haben (wir berichteten). So sehr die Polizei bereit sei, bei Autokorsos und Siegesfeiern "beide Augen zuzudrücken" - auf der Nase herumtanzen lasse sie sich nicht, das macht Schömann unmissverständlich klar. "Wir erwarten, dass sich die Fans an Regeln und Anweisungen halten." Bislang sei das bei allen Fans so gewesen - mit Ausnahme der türkischen Fußballanhänger. "Ob Kroaten, Deutsche, Portugiesen, Spanier - die fahren eine Viertelstunde hupend durch die Stadt, dann bedanken sie sich bei uns, weil wir ihren Korso begleitet haben", so Schömann. Wenn türkische Fans feierten, sei die Stimmung dagegen bedrohlich. Nach dem ersten Türkeispiel gegen die Schweiz - die Polizei war nur mit kleinem Trupp unterwegs - wurden zwei Beamte von einer Gruppe Fans umzingelt und attackiert. Schon da seien polizeiliche Anweisungen nicht befolgt worden - statt dessen hätten die türkischen Fans aggressiv auf jede Weisung reagiert. "Diese Aggression hat sich nach dem Spiel Türkei-Tschechien sogar noch einmal gesteigert", betont Schömann. Daher sei es richtig gewesen, eine Hundertschaft Polizisten in Schutzkleidung aufzubieten. "Letztlich geht es uns vor allem darum, dass keine Kolleginnen und Kollegen verletzt werden." Am Freitagabend will die Polizei vor allem verhindern, dass Autokorsos durch die Rheinstraße fahren - "das wäre viel zu gefährlich, weil wir vor allem in Höhe Fischtor mit sehr vielen Johannisnachtbesuchern rechnen, die dort zu Fuß unterwegs sind", sagt Polizeidirektor Claus Colausich, der die Einsatzleitung übernehmen wird. Die Sperrungen sollen auch an den anderen Johannisnacht-Abenden, an denen EM-Spiele stattfinden, durchgeführt werden. Zudem will die Polizei auch präsent sein, wenn es zu Ausschreitungen kommt. "Wir wissen zum Beispiel nicht, wie die türkischen Fans reagieren, falls die Kroaten gewinnen - und feiern", sagt Lothar Schömann.


