Von Monika Nellessen
WAHLKAMPF I Ein „Meenzer“ mit Herz und Ideen - so präsentiert sich OB-Kandidat der SPD auf Neujahrsempfang
Die Lichter der „MS Rhenus“ glitzern im Wasser, drinnen im Partyschiff drängen sich 600 Gäste beim SPD-Neujahrsempfang, eine ansehnliche Anzahl bei 1800 Mainzer Genossen. Es herrscht Kreuzfahrt-Atmosphäre - und für den, um den es geht, ist es ohnehin so etwas wie das Traumschiff: „Oberbürgermeister für Mainz“, so bezeichnet die SPD ihren Kandidaten Michael Ebling jetzt schon. OB wolle er seit jeher werden, bekennt der 44-Jährige im Applaus seiner Parteifreunde und so mancher Neugieriger, darunter IHK-Hauptgeschäftsführer Richard Patzke und SWR-Landessendedirektorin Simone Sanftenberg.
„Oberbürgermeister - das ist das schönste Amt!“, sagt Ebling. Dass es „keinen Besseren dafür gibt“, wie Ministerin Malu Dreyer ihm in einer Talkrunde, moderiert von Amtskollegin Doris Ahnen, bescheinigt, will der 44-Jährige gleich selbst mit einer kämpferischen Begrüßung beweisen. Sein Mantra: Er werde seiner geliebten Heimatstadt ihren „Stolz“ wiedergeben - und für ihre Zukunftsfähigkeit sorgen. Letztere gründe auf schnelleren Entscheidungen und einer Wirtschaftspolitik, welche die Chancen von Uni und FH nutze. Weiter lasse sich mit der Weltoffenheit der Mainzer eine „bunte Stadt“ bauen, in der Integration nicht nur hehres Ziel sei. Im Stadthaushalt müsse die Schaffung von Kita-Plätzen von unter Dreijährigen Priorität haben. Und - eine Verbeugung an die Genossen - „jede Entscheidung hat soziale Dimensionen“, das werde er stets bedenken. Beim Thema Fluglärm dann versöhnliche Töne: Natürlich hätten „alle Umweltdezernenten und der frühere Oberbürgermeister“ im Kampf bisher „exzellente Arbeit“ geleistet. Dennoch bringe die neue Landebahn eine neue Lärmqualität, der auch neu begegnet werden müsse. „Bei aller Solidarität hat Mainz originäre Interessen“, bekräftigt Ebling seine Forderung nach einer kommunalen Fluglärmstrategie. Dies schließe Bündnisse nicht aus.
Ebling sei kein Mainzer, sondern ein „Meenzer“, blättert Doris Ahnen den Mombacher Stammbaum bis zum Opa auf. Und mit Wahlkampf-Geschenken vom vierfarbbunten Anstecker bis zum Schlüsselanhänger, auf denen „Meenz“ steht, womit Ebling seine Initialen wieder ins Mainzer Gemüt schmuggelt, starten die Genossen in den närrischen Teil der Wahlkampf-Kampagne. An Bord sorgt Stimmen-Imitator Harry Borgner für Unterhaltung. Dass Borgner der „Mann der 1000 Stimmen“ ist, nimmt der Kandidat als „gutes Omen“, ebenso, dass gleich zu Beginn der gläserne Moderationstisch zu Bruch geht. Ebling flachst: „Bei uns wird eben nichts unter den Teppich gekehrt.“

