Von Andreas Schröder
Das Rheinufer zwischen Zoll- und Winterhafen ist das Naherholungsgebiet schlechthin. Sonnenanbeter, Leseratten, Spaziergänger und Sportler finden hier ihren Platz. Es gibt kaum eine Freizeitaktivität, die sich am Rhein nicht ausüben lässt. Auch die Zeit großer Konflikte zwischen Anwohnern und Grillmeistern, zwischen Spaziergängern und Radfahrern – wie sie die Stadt noch vor wenigen Jahren erlebt hat – scheint überstanden zu sein, selbst wenn die eine oder andere gefundene Lösung noch eines gewissen Feinschliffs bedarf.
Ulla Brede-Hoffmann (SPD), Ortsvorsteherin der Altstadt und als leidenschaftliche Inlineskaterin eine profunde Kennerin des Pflasters, weiß um den optimalen Ort, um Sport zu treiben, zu Grillen oder einfach um ein gutes Buch zu lesen: Den Winterhafen. „Das ist die einzige schöne Fläche, wo Sie bis ans Wasser herankönnen und wo Ihnen keiner Vorschriften macht.“ Dass es keiner besonderen Regulierung bedürfe, habe sich diesen Sommer gezeigt, so die Ortsvorsteherin. Das altbekannte Müllproblem sei weitgehend behoben, seitdem die Stadt in ausreichendem Umfang Mülltonnen zur Verfügung stelle. Auch die Rasenfläche wurde, trotz der Trockenheit, von keinem Freizeitgriller in Brand gesteckt.
Brede-Hoffmann ist stolz auf das Naherholungsgebiet, in dem jeder Bürger nach Gutdünken seinen Leidenschaften nachgehen kann, ohne in Konflikt mit den Interessen anderer zu kommen. Sie kündigt an, den Winterhafen „wie die Löwen“ zu verteidigen. Denn durch die geplante Wohnbebauung auf der anderen Seite des Hafenbeckens wird es spätestens ab Sommer 2013 Potential für Spannungen geben. Brede-Hoffmann zeigt sich zwar überzeugt, dass die abschüssige Anlage der Liegewiesen die Neuanwohner sowohl vor jeder nennenswerten Lärm- als auch Geruchsbelästigung bewahren wird, gleichzeitig warnt sie aber präventiv: „Die großen Parteien der Altstadt haben immer gesagt, dass der Winterhafen mit seinen jetzigen Freiräumen erhalten bleiben muss. Sonst wollen wir diese Bebauung nicht“.
Probleme mit Scherben, Müll und wildem Urinieren
Nicht ganz so problemlos wie derzeit am Winterhafen geht es im Gebiet der Rheinufergaragen zu. Glasscherben, Müll und wildes Urinieren zählen hier zu den tagtäglichen Konfliktthemen. Brede-Hoffmann sieht die Ursache vor allem in der jüngeren Klientel, die den Rheinabschnitt in erster Linie aufsucht.
Von den Rheingängern am Samstagnachmittag wurden die Schüler nicht als Problem wahrgenommen. Marianne Zurmühle kommt regelmäßig an die Rheinufergaragen, um sich zu sonnen. „Die Atmosphäre hier ist lockerer und aufgeschlossener, als an anderen Stellen“, sagt sie. Den Abschnitt entlang der Taunusstraße versuche sie dagegen zu meiden. Dort fühlt sich die 24-Jährige oft beobachtet. Der stille Klassiker der Rheinaktivitäten ist und bleibt das Lesen. Svenja Fischer macht es sich mit ihrer Lektüre am liebsten an den Rheintreppen am Feldbergplatz gemütlich. „Das hat so ein bisschen was von Meer, ist ein bisschen wie ein kleiner Urlaub“, findet sie.

