Von Werner Wenzel und Dieter Oberhollenzer
Nach der Katastrophe auf der Loveparade in Duisburg gibt es nun eine Debatte um die Sicherheit von Großveranstaltungen – auch in Mainz. Denn immerhin bis zu 60.000 Besucher werden am übernächsten Samstag wieder zum Rheinland-Pfalz Open Air auf der Großen Bleiche und dem Ernst-Ludwig-Platz erwartet.
Doch eine Vergleichbarkeit mit der Duisburger Veranstaltung sei in keiner Hinsicht gegeben, betonen als Vertreter der Veranstalter unisono Christoph Gehring, stellvertretender Regierungssprecher in der Staatskanzlei und Marc Mutert, Kommunikationsleiter bei Radio RPR1.
„Unser Sicherheitskonzept wird regelmäßig in engster Kooperation mit der Polizei, dem DRK und der Stadt überprüft und nach Möglichkeit verbessert“, sagt Mutert. Das gehe so weit, dass im vergangenen Jahr sogar erstmals die Tiefgarage des Landtags unterfüttert, also zusätzlich abgestützt worden sei, um die Tragfähigkeit zu verbessern, so Mutert. Gehring verwies darauf, dass etwa die Absperrungen an den Eingängen zum Festivalgelände vom Sicherheitspersonal mit wenigen Handgriffen geöffnet werden könnten, ein Nadelöhr wie in Duisburg nicht existiere.
Keine Sicherheitsprobleme
Für Jürgen Franz, Leiter der Abteilung Ordnung im städtischen Rechts- und Ordnungsamt, ist das Areal zwischen Schloss, Staatskanzlei und St. Peter auch aus diesem Grund „ein ideales Gelände für solche Veranstaltungen“. Das sei „eine riesengroße Fläche, die nach allen Richtungen Fluchtmöglichkeiten bietet, selbst wenn einmal eine Panik ausbrechen sollte“, so Franz. Grundsätzlich lege er großen Wert darauf, dass genügend Freiraum auch auf dem Gelände zur Verfügung stehe, sagte Franz, der weiß, wie schnell es zu einer Panik kommen kann.
„Da muss nur an einer Bratwurstbude ein Feuer ausbrechen, oder es gibt einen Kabelbrand auf der Bühne...“ Doch er weiß auch: „Das Risiko, dass es bei einer Panik zu Verletzten kommt, lässt sich letzten Endes nicht völlig ausschließen, aber wir tun alles, um es so weit wie möglich zu minimieren.“ Beim Rheinland-Pfalz Open Air gebe es aber „so gut wie keine Sicherheitsprobleme“.
Genehmigung mit einer ganzen Latte von Auflagen
Marc Mutert führt zudem an, dass das komplette Sicherheitskonzept des Festivals im Vorfeld bekannt sei, auf der Website sowie über die Presse kommuniziert werde. Im Vorfeld von Großveranstaltungen, so das grundsätzliche Prozedere in Mainz, setze man sich zusammen mit allen Beteiligten, die dann anmeldeten, was sie für ihre Arbeit benötigten, wie Zufahrts-, Rettungs- und Fluchtwege aussehen müssten. Und an der Genehmigung der Veranstaltung auf einer öffentlichen Fläche, so Jürgen Franz, „hängt dann eine lange Liste von Auflagen“, abgestimmt mit den Veranstaltern.
Grundsätzlich, so Polizeisprecherin Heidi Nägel, gelte in Mainz zudem, dass die meisten Veranstaltungen „über Jahre oder Jahrzehnte gewachsen“ seien und insofern schon hier „nichts Vergleichbares existiert“.
Gleichwohl, so Jürgen Franz, hätten Sicherheitsaspekte etwa beim Rosenmontagszug schon zu Veränderungen geführt, unter anderem als die Rosenmondnacht nach den ersten Jahren in der Weißliliengasse aus dem Ruder zu laufen drohte. „Hier hatten wir genau die Situation, dass es am Ende wegen des riesigen Zulaufs keine Chance für Rettungskräfte mehr gab, in einer vertretbaren Zeit an Verletzte ranzukommen“, so Franz. „Und deshalb musste die Veranstaltung damals zu Railion verlegt werden.“ Und in der kommenden Kampagne soll sie dann auf den Ernst-Ludwig-Platz stattfinden.
Trauerfeier in Stadecken-Elsheim in dieser Woche
Der Tod einer 19-jährigen jungen Frau aus Stadecken-Elsheim während der Massenpanik auf der Großveranstaltung Loveparade in Duisburg am Samstag hat in der Selztalgemeinde große Betroffenheit und Anteilnahme ausgelöst. Am Mittwoch oder Donnerstag dieser Woche soll in der Peterskirche in Stadecken eine öffentliche Trauerfeier stattfinden. Einen genauen Termin wollen der evangelische Pfarrer Ernst Walter Rohmann und die Familie noch abstimmen.
„Wir kümmern uns um die Familie und haben alle erdenkliche Hilfe angeboten, auch bei den organisatorischen Fragen“, erklärt auf AZ-Anfrage Ortsbürgermeister Hermann Müller nach dem gestrigen Kondolenzbesuch bei der im Ortsteil Stadecken lebenden Familie. Mutter und Oma hätten die schreckliche Nachricht am Wochenende äußerlich gefasst aufgenommen. Er habe auch über die Risiken gesprochen, die beim Besuch von Großveranstaltungen nie auszuschließen seien: „Das ist der Preis unseres modernen Lebens.“ Als „besonders tragisch und schrecklich“ bezeichnet es die Stadecken-Elsheimer Erste Beigeordnete Claudia Lörsch, dass eine junge Frau beim Feiern aus dem Leben gerissen worden sei.
Nach AZ-Information wollte die 19-jährige Auszubildende mit einer größeren Clique aus Ober-Olm und Saulheim, darunter befand sich ihr Freund, die Loveparade besuchen. In der örtlichen Turn- und Sportvereinigung (TSVgg.) 1848 war sie als Turnerin aktiv.

